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Großlitzner
Tour 378 2882 m Sonntagspitze Silvretta Hochtour F 27.09.09    
Tour 379 3121 m Grosslitzner - Großes Seehorn, Überschreitung Ost-West Silvretta Hochtour AD- 28.09.09    

Aussichtsberg und Überschreitung eines eindrucksvollen Granitturms www.sirdar.de

Fakten Überschreitung Großlitzner und Seehorn
Zustieg:2-3h bis zur Hütte, 2h bis zum Einstieg
Route:6-8h, Stellen III, teilweise ausgesetzt, Orientierung nicht immer leicht
Abstieg:Abseilpiste + Gletscher
Allgemeines:Perfekte Genußtour für sicheres Wetter

Ausgangspunkt:
Bielerhöhe (2036m)

Anfahrt von München:
München - Fernpass - Landeck - Ischgl - Bielerhöhe. Kostenfreie Parkplätze z.B. direkt bei der Madlener Hütte unterhalb der westlichen Staumauer. Zeit 3h.

Stützpunkt:
Saarbrücker Hütte (2538m)
Klostertaler Umwelthütte (2358m), AV-Selbstversorger-Hütte, man benötigt einen AV-Schlüssel, sehr gut ausgestattet (Holz, Geschirr Decken)
Welche Hütte man wählt, bleibt jedem selbst überlassen. Beide sind in ähnlicher Zeit von der Bielerhöhe zu erreichen (je ca. 2-3h, markierte Wege). Der Anstieg zum Litzner Sattel ist vom Zeitbedarf auch ähnlich.

Route:

Großlitzner - Seehorn

Zustieg zum Litzner Sattel (2737m)
Von beiden Hütten jeweils in ca. 1h auf markierten Wegen hoch zum Litzner Sattel (s. Karte).

Sonntagspitze
Schöner, einfach zu erreichender Aussichtsberg. Vorgeschobene Kuppe gleich über dem Klostertal. Östlich unterhalb des Litzner Sattels auf den spaltenarmen Gletscher, über diesen hoch zum Grat und direkt über diesen leicht zum höchsten Punkt. 1h vom Litzner Sattel.

Überschreitung Grosslitzner - Großes Seehorn, Ost-West (Stellen III)
Großlitzner - Seehorn Der Anstieg auf den Grosslitzner erfolgt über den Südostgrat. Der Einstieg zu diesem findet sich nördlich des Winterbergs. Vom Litzner Sattel quert man zunächst unter dem Gletscherfeld des Großlitzners nach SW. Danach um eine weitere Felsrippe herum. Rechts des Winterbergs findet sich ein je nach Jahreszeit firngefülltes Kar. Eine Steilstufe versperrt den Weg. Man überwindet diese entweder von unten über gestuftes Gelände oder am obersten Winkel über ein schmales, etwas ausgesetztes Band.
Im Kar nun den einfachsten Möglichkeiten (eher linkshaltend, je nach Firn) folgend zum Grenzkamm. Einige vereinzelte Steinmänner weisen den leichtesten Weg, wobei man sich meist links oder rechts knapp unter dem Grat in der Flanke bewegt und so die einzelnen Türme leicht umgeht (Stellen II, meist Gehgelände). Der Grat endet im Schrofengelände unter dem Vorgipfel.
Nun direkt zum Vorgipfel aufsteigen. Man geht nicht bis zum höchsten Punkt, sondern weicht kurz darunter links in eine kleine Scharte aus und umgeht dahinter auf leichten Bändern den Vorgipfel bis zu einem Schartenturm vor dem Hauptgipfel des Großlitzners. Auch der Schartenturm wird links umgangen. Es folgen die ersten Meter (II) zum Hauptgipfel. Man klettert zuerst direkt über ein kurzes Wandl auf einem Absatz, danach schließlich rechtshaltend, bis man unvermutet hoch über einer weiteren Scharte steht. An eingerichteter Abseilstelle 15m in die Scharte abseilen, dort Stand. Nun den Überhang links umgehen danach durch eine Verschneidung zum ersten Stand (20m, Kette). Danach ein kleiner Überhang mit folgender Rinne, auf einem Absatz ein weiterer Stand (25m). Schließlich zunächst rechtshaltend, dann wieder direkt zu einer steilen Platte (Bohrhaken) und darüber ein letzter Überhang (Stand darüber an Felsblöcken). Danach wieder Gehgelände bis zum Gipfel.

Kurz unterhalb des Gipfels findet sich ein Abseilring. Mit zwei Halbseilen schafft man es auf 3x abseilen bis in den langgestreckten Sattel zwischen Großlitzner und Seehorn. Abseilstände sind jedoch alle 20-25m eingerichtet.
Auf dem Sattel geht man nun gratähnlich in Richtung Seehorn, kurz vor dem eigentlichen Aufschwung zum Seehorn weicht man nochmal rechts in die Flanke aus. Hier wäre auch der Notabstieg nach Norden zur Saarbrückener Hütte über einen steilen Firn- bzw. Gletscherhang. Spät im Jahr ist der obere Teil ausgeapert, dann ist es auf alle Fälle einfacher, die Überschreitung zu vollenden.
Im eher leichten Gelände (I-II) klettert man nun deutlichen Steigspuren folgend zum Gipfel des Großen Seehorns. Gleich vom Gipfel weg ist eine Abseilpiste über die Westflanke mit Ringbohrhaken eingerichtet (Abseilstellen alle 20-25m). Man seilt also bis zum Wandfuß ab, steigt kurz über den Gletscher ab und quert rechts zur Seelücke. Von dort nach Norden auf markiertem Weg in einer halben Stunde hinab zur Saarbrückender Hütte.

Großlitzner - Seehorn

Charakter:
Schöne Überschreitung auf ein markantes Horn. Der schwierigste Teil ist, den richtigen Zustieg zum SO-Grat zu finden. Ansonsten einfache Kletterei im an sich festen Fels. Zur zusätzlichen Absicherung benötigt man Schlingen und Klemmkeile, ein doppelt genommenens Halbseil würde ausreichen. Steigeisen werden für Zu- und Abstieg gebraucht.
Wir hatten zunächst auch vor, die Überschreitung umgekehrt von West nach Ost durchzuführen. Nominell hat man dann ein, zwei IVer Stellen. Trotzdem möchte ich davon abraten, der Anstieg von West kann sehr feucht und glitschig sein. Speziell im Abstieg vom Großlitzner hat man es dann aus der beschriebenen Scharte heraus mit sehr unangenehmen, weil glitschigen Platten zu tun, Hammer und Haken sollten dann nicht fehlen.

Karte:
Freytag & Berndt WK 373 "Silvretta", 1:50000

Führer:
Michael Pause "Im leichten Fels", BLV-Verlag, 1992 München (nur bedingt als Führer geeignet)
In den verschiedenen Auflagen der AV-Führer "Silvretta" vom Rother-Verlag ist die Tour okay beschrieben. Empfehlen möchte ich diese Silvretta-Führer allerdings nicht, da im allgemeinen wenig verständlich geschrieben und in neuerer Auflage nur in übertrieben abgespeckter Ausgabe zu bekommen.

Link:
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Großlitzner - Seehorn Titel: Auf Umwegen
Bergspezln: Woife

So expeditionsmäßig haben wir wohl noch keinen Berg in den Alpen erkundet. Ungewollt natürlich. Aber die Seilschaft Impi-Woife rennt ja auch mal gerne auf den falschen Berg, von daher war eine eingehende Besichtigung des Ziels der Begierde schon angebracht.
Unser Plan also, Bielerhöhe, Saarbrückener Hütte, Überschreitung Seehorn-Großlitzner West-Ost, Klostertaler Umwelthütte, Silvrettahorn, Wiesbadener Hütte, Bielerhöhe. Die erste Abweichung vom Plan ergab sich schon im nächtlichen Lager der Saarbrückener Hütte. Dieser 90dB-Weltmeister im Dauerschnarchen war nämlich garantiert nicht eingeplant. Hiermit der Aufruf an alle bergsteigenden Schnarcher dieser Welt, laßt euch auf Hütten ein Einzelzimmer geben! Ich werde mich jedenfalls mal einlesen, wie mit einem Eispickel eine chirugisch perfekte Operation im Hals-Nasen-Rachenraum gelingen könnte.
Dermassen gepeinigt starteten wir also unsere Unternehmung und mitten in der Westwand des Großen Seehorns knapp unter dem Gipfel überfiel uns das angekündigte "schöne" Wetter in Form von Nebel und heftigem Schneetreiben. Also abseilen. Wie sich später herausstellte, hätte die von uns gewählte Richtung von West nach Ost noch ein paar schöne glitschige Unannehmlichkeiten parat gehabt. So änderten wir also unsere Pläne und marschierten erstmal unten rum zum Litzner-Sattel. Das Wetter klarte wieder etwas auf und die Sonntagspitze am Wegesrand nahmen wir noch mit und hatten damit den Großlitzner von fast allen Seiten großzügig studiert.
Die Klostertaler Umwelthütte ist ein AV-Selbstversorgerraum. Ursprünglich war das mal als "richtige" Hütte geplant, wurde aber nie fertiggestellt. Der Alpenverein vollendete sie schließlich in jetztiger Form und so hat man wirklich reichlich Platz, der Wellness-Bereich ist aber nur mit AV-Schlüssel zugänglich.
Neuer Tag, neues Glück und auch die Wettervorhersage landete mal wieder einen Zufallstreffer, das Wetter zeigte sich nun wirklich von seiner freundlichen Seite. Den Zustieg hatten wir ja nun bestens ausgekundschaftet und so konnte die Überschreitung des Großlitzners in Angriff genommen werden. Von Ost nach West in üblicher Richtung dieses Mal. Das erste Gratstück hatte uns bei Begutachtung von der Sonntagsspitze etwas Sorgen bereit. Bei näherer Betrachtung konnten die vielen scharfen Zacken und Türme jedoch alle sehr leicht umgangen werden. Danach wird es auch gleich wieder gemütlicher, bis man vor dem eindrucksvollen Gipfelturm des Großlitzners steht. Beim Erklimmen desselbigen stellt sich noch sehr unvermittelt eine Scharte in den Weg, die von Osten kommend einfach durch abseilen überwunden werden kann. Umgekehrt hätte man es mit grausig feuchten Granitplatten zu tun. Das wäre keine Spaß gewesen, da hoch zu klettern.
So standen wir schließlich doch noch dort, wo wir hin wollten und das gleich wenig später auch auf dem Großen Seehorn. Dazwischen gibt es theoretisch einen Notabstieg über den Gletscher, der ist im oberen Bereich jedoch nicht mehr existent. Im ausgeaperten Zustand müßte man hier eine unangenehm bröselige Rampe absteigen. Da erscheint der Weg über das Seehorn dann doch auch im Notfall leichter. Den Abstieg, bzw. die Abseilstellen vom Großen Seehorn kannten wir ja nun auch schon bereits bestens.
Bleibt zu erwähnen, dass wir beim Anblick der herbstlichen Silvretta uns immerzu an norwegische Gefilde erinnert fühlten. Großartige, wilde Landschaft!

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Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl.
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