Du bist hier » Tourentipp

Kommentare zur Tour:ansehenanfügen

Punta Allievi
Tour 403 3121 m Punta Allievi, Südgrat "Gervasutti" Bergell Klettern 6- 19.08.10    

Klassiker mit Südlage www.sirdar.de

Fakten
Zustieg:3-4h bis zur Hütte, von dort zum Einstieg 45min.
Route:21 SL, 4-6h, in den schwierigen Längen viele Haken, dazwischen auch gar nix
Abstieg:Mit Steinmännern und roten Punkten markiert, ca. 1.5h bis zur Hütte.

Ausgangspunkt:
San Martino (923m) im Val Masino.
Parkplätze direkt vor dem Ort. Bis vor kurzem fuhr ins Val di Mello noch ein Bus. Dies ist durch ein anderes System ersetzt worden (Stand 2010). Pro Tag dürfen 80 Fahrzeuge weiter ins Val di Mello fahren, Ticket-Automat am am Bushäuschen am Ortseingang von San Martino. Wer also früh dran ist, spart sich so ca. 20min Fußweg und kann noch bis zum Camping Ground Jack im Val di Mello fahren.

Anfahrt von München:
München - Lindau - Pfändertunnel - Chur - Splügenpass (Wohnmobilfrei!) - Chiavenna - Morbegno - Val Masino. 5-6h.

Stützpunkt:
Rifugio Allievi (2387m)
Zustieg 3-4h je nach Ausgangspunkt. Vom Parkplatz im Val di Mello geht man noch weiter hoch das Tal. Nach einer größeren Ansammlung von Steinhäusern, geht es links hoch ins Valle Zocca (Beschilderung). Ab nun gibt es kein Vertun mehr, zunächst sehr steil, dann über eine Ebene und über einen weiteren Steilhang erreicht man unweigerlich die Hütte, so man den Markierungen folgt.

Route:
Punta Allievi, Gervasutti Südgrat "Gervasutti", VI- (V obl.); Gervasutti, Bonacossa, Negri 1934

Zustieg:
Von der Hütte folgt man zunächst kurz dem Weg zum Rifugio Ponti, bevor man entlang eines Bach direkt zum immer gut sichtbaren Südgrat der Punta Allievi aufsteigen kann. Überhalb des Vorbaus führt ein Grasband von links nach rechts zum Südgrat heran. Man erreicht dieses Band, indem man links am Vorbau vorbei über Schotter nach oben steigt und dann auf dem Band leicht absteigend nach rechts quert. Der Einstieg findet sich bei einem hellen weißen Fleck im Fels.

Route:
1. SL (50m, 5): Nach dem weißen Fleck eine grasige Rampe empor, dann eine Platte an den schwächsten Punkten überwunden. Viele versteckte Normalhaken. Stand auf Band, 5m höher noch ein Band mit Standplatz.
2. SL (45m, 5-): Mehr rechtshaltend über Platten nach oben.
3. SL (45m, 5-): Zunächst ein Riss, dann nach links in eine Verschneidung, bequemer Stand auf Absatz.
4. SL (50m, 6-): Man klettert direkt in der Verschneidung zwischen 1. Zahn und Ostflanke. Zunächst kaminartiger Körperriss, darüber Rissverschneidung ganz links. Viele Normalhaken, zusätzliche Absicherung notwendig. Stand an Block in der Scharte unter dem 1. Zahn. Fluchtmöglichkeit durch die Westflanke.
5. SL (40m, 4+): Einige Meter in der Westseite absteigen, die einfachsten Möglichkeiten nutzend wieder zurück zum Grat in eine Scharte. Stand rechts der Kante muss selbst eingerichtet werden.
6. - 9. SL (3-4): Mehrere Seillängen direkt auf der Kante oder leicht rechts davon über plattiges Gelände nach oben. Man geht hier vorteilhaft am laufenden Seil, um Zeit zu sparen.
10. SL (50m, 3): Über Platten rechtshaltend auf ein Band, um eine Kante herum und auf einen Felskopf. Dahinter absteigen. Stand auf kleinem Grasfleck in der Ostseite.
11. - 12. SL (2-3): Auf Bändern werden die folgenden zwei (!) Grattürme in der Westseite umgangen. Man kann auch nach dem ersten Gratturm aufsteigen und dann wieder in die Westseite absteigen, was aber deutlich schwieriger ist. Man sollte eine deutlich ausgeprägte Scharte erreichen, wo man danach sehr leicht in die Ostflanke wechseln kann. 2. Fluchtmöglichkeit durch die Westflanke.
13. SL (40m, 2): In der Ostseite wird auf einem Band gequert und bis unter zwei Kamine aufgestiegen. Stand selbst einrichten.
14. SL (20m, 4+): Im rechten Kamin hochsteigen. Durch einen wirklich sehr engen Durchschlupf auf die Westseite wechseln.
15. SL (20m, 4): Auf dem Grat nach oben und rechts zum Stand (Schlinge) auf einem Band.
16. SL (50m, 5+): Der nächste Felsturm wird durch eine Rissverschneidung auf der Ostseite umgangen. Gerade hoch, bis man wieder den Grat erreicht.
17. SL (30m, 4+): In der Westseite wieder direkt auf den Grat. Stand bevor es horizontal wird.
18. SL (40m, 3): Über den ausgesetzten Zackengrat und wieder bis zum nächsten Steilaufschwung.
19. SL (20m, 4+): Nach rechts queren, aber nicht auf ein grasiges Band absteigen. Sondern ansteigend über Platten zu einem seichten Kamin.
20. SL (40m, 5-): Durch den Kamin, danach den leichtesten Möglichkeiten folgend in Rechts-Links-Schleife zum Stand unter eine Kaminrinne.
21. SL (40m, 4+): Durch die Kaminrinne auf den Gipfelgrat. Stand an Block.
In wenigen Minuten und nicht mehr schwierig über den Gipfelgrat zum mit einer Stange markierten höchsten Punkt.

Topo als PDF: topo_allievi_gervasutti.pdf

Abstieg:
Vom höchsten Punkt steigt man zunächst wieder Richtung Westen ab, bevor man über eine Rinne leicht in weniger steiles Gelände nach Norden absteigen kann. Sobald es flach genug ist, quert man nach Westen am breiten Rücken entlang zum tiefsten Punkt in einen Sattel, wo man die ersten Steinmänner findet. Diesen Steinmännern folgt man nach Süden eine steile Flanke hinab, irgendwann tauchen zusätzlich rote Markierungen auf. Eine Steilstufe wird linkshaltend in leichter Kletterei durch eine Rinne hinab überwunden, man quert nach links über eine weitere Rinne, um dann im Rechtsbogen das Schotterfeld unterhalb der Steilstufe zu erreichen. Hier mehr oder weniger direkt hinab. Die letzte Steilstufe in Richtung Hütte wird nicht in Richtung Einstieg Südgrat überwunden sondern viel weiter rechts (Wegspuren, Steinmänner). Danach gibt es keine Hindernisse mehr bis zur Hütte.

Charakter:
Klassische Tour, entsprechend ist die Routenführung. Manchmal etwas verwickelt, meist auf der Ostseite vom Grat. Überwiegend fester Fels. In den schwierigen Seillängen stecken viele Normalhaken, trotzdem muss zusätzlich gesichert werden. Bohrhaken haben wir an einem Standplatz entdeckt. Ansonsten Absicherung sehr unterschiedlich, manchmal komplett nichts, dann wieder einige Haken und alte Schlingen. Standplätze müssen überwiegend selbst eingerichtet oder verbessert werden. Mobile Sicherungen lassen sich meist problemlos anbringen, viele Friends sind von Vorteil, Schlingen, Klemmkeile.
Sollte in der Abstiegsflanke noch Schnee liegen, wird dieser sehr unangenehm. Deswegen Tour besser später in der Saison angehen, wenn Schnee kein Thema mehr ist.

Karte:
Landeskarte der Schweiz Nr. 278 "Monte Disgrazia", 1:50000

Führer:
siehe www.topoguide.de
daneben gibt es neuerdings vom Versante Sud - Verlag "Nichts als Granit"

Link:
www.topoguide.de
Es kursieren im Netz zudem einige italienisch-sprachige Topos

Openstreetmap: Punta Allievi
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)


Titel: Klassisch-Rassig-Schön
Bergspezln: Walter

Punta Allievi, Gervasutti Eine sehr schöne Tour! Hat von allem etwas, rassige Kletterstellen, aber nicht so, dass die Nerven übermäßig strapaziert würden. Einige Plaisir-Seillängen und ein sehr origineller Durchschlupf. Lange Tour, aber doch in guter Zeit machbar. Dazu, wohin man schaut, feinstes Landschaftserlebnis. Summasummarum, a gscheide Alpintour, a Sternderl im Tourenbuch.
Die VI- Seillänge ist dabei schon anhaltend schwierig. Ein schöner, fotogener Verschneidungsriss. Man fühlt sich gleich wie so ein kleiner Huber, wenn man den Arm im Riss verkeilt an ansonsten glatten Granit hochsteigt. Kurze Probleme bereitete uns die zweite Umgehung in der Westseite nach ca. der Hälfte der Tour. Man müßte wohl immer tief auf einem Band bleiben, wir stiegen jedoch kurz auf einen Gratzacken, um dann wieder abzusteigen und handelten uns so einen weiteren 5er ein. Danach kommt ein sehr enger Felsdurchschlupf nach einem Kamin. Hier darf man das Erlebnis "Geburtskanal" nochmal durchleben. Da sollte man schon schlank sein und den Rucksack besser vorher durchreichen.
Die zweite schwierigere Seillänge ist dann nicht mehr ganz so wild und kurz vor dem Ausstieg wird es nochmal schwierig, die richtige Route zu entdecken. Am Gipfelgrat kann man das Seil dann wegpacken und ist in 10min auf dem höchsten Punkt. Die Punta Allievi, die nach Süden als so schrofer Zacken erscheint, sticht nach Norden gerade mal als größerer Schotterhaufen aus dem Gletscher unterhalb der Cima di Castello hervor, eine überraschende Aussicht mit Gletscherplateaus tut sich also auf.
Der Abstieg ist dann im schneefreien Zustand angenehmerweise kein größeres Problem mehr und man ist schnell zurück auf der Hütte.

Home

Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl.
www.sirdar.de - Kommentar

Kommentare zur Tour (Kommentar hinzufügen)

Derzeit keine Kommentare vorhanden

Kommentar hinzufügen

Hier könnt ihr Anmerkungen loswerden, welcher Art auch immer.

Regeln:
Bitte kein HTML verwenden (wird rausgefiltert). Ich behalte mir vor, Kommentare zu löschen, falls sie nicht zum Thema passen, oder sonstwie unsachgemäß sind.

Dein Name:

Betreff:

Bitte das zweite Feld ankreuzen.

Nachricht:

www.sirdar.de
"Selvaggio Blu"
Das Buch: Selvaggio Blu, eine Wegbeschreibung von Stephan Rankl
Eine Wegbeschreibung


Webcam-Links:
Zugspitze, Wank
Wilder Kaiser, Südseite
Berchtesgaden
Zermatt und Umgebung
Randa, Weisshorn

"Kürzlich in Asien"
Das Buch: Kürzlich in Asien, von Stephan Rankl
Eine Radreise durch das wilde Asien