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Wettersteingrat
Tour 443 2485 m Wettersteingrat (Untere + Obere Wettersteinspitze, Rotplattenspitze, Wettersteinwand, Weitersteinkopf, Musterstein) Wetterstein Klettern 3 04.10.11    

Unbekannter Kollege zu Jubi-Grat und Co. www.sirdar.de

Fakten
Zustieg:Diverse Möglichkeiten: Grundsatzentscheidung Gehrichtung West - Ost, oder umgekehrt (s.u.)?
Route:Immer am oder nahe des Grates, Stellen 3, Seil günstig zwecks abseilen, Zeit für den Grat allein 5-8h
Abstieg:Hängt von der Begehungsrichtung ab, s.u.

Ausgangspunkt:
Die Wahl des günstigsten Ausgangsortes, sprich Parkplatz für das Auto, ist gar nicht so einfach. Ich entschied mich schließlich für den Beginn des Franzosensteiges bei der Ortschaft Burggraben im Leutaschtal (ca. 1000m), für eine Begehung des Wettersteingrates von Ost nach West, aber darüber läßt sich streiten.

Anfahrt von München:
München - Mittenwald - Richtung Leutasch. Z.B. Abstellmöglichkeit für das Auto in der Ortschaft Burggraben, bei einer Brücke. Markierter Weg zum Franzosensteig. 1.5h.
Dieser Parkplatz liegt sowohl nahe an einem günstigen Beginn für die Tour (Franzosensteig), als auch relativ nahe am Endpunkt (Meilerhütte, bzw. Berglen-Tal.

Stützpunkt:
Meilerhütte (2366m)
Winterraum offen, gut ausgestattet. Im Jahr 2011 brauchte es keinen AV-Schlüssel. Wasser kann je nach Jahreszeit ein Problem sein.

Route:
Im Folgenden ist die Überschreitung von Ost nach West beschrieben. Ich bin der Meinung, dass der Wettersteingrat in diese Richtung (also umgekehrt zur Beschreibung im AV-Führer) einfacher zu klettern ist, aber auch wesentlich schwerer zu finden, da die Steinmänner umgekehrt besser sichtbar sind. Ein Nachteil bei der Richtung Ost-West-Begehung ist, es geht über die gesamte Tour gesehen, mehr bergauf als bergab.

Über den Franzosensteig geht es zunächst Richtung Wettersteinalm. Vorher folgt man jedoch dem Normalweg zur Oberen Wettersteinspitze. Ca. 4h.

Untere Wettersteinspitze:
Ich wollte die Untere Wettersteinspitze mitnehmen und bin diese von der Oberen aus angegangen. Man steigt dazu von der Oberen Wettersteinspitze zunächst in der Nordflanke nahe beim Grat einige Meter ab, bis dahin wo der Gratverlauf kurz etwas flacher wird. Hier findet sich auf einen Felskopf ein rotes Markierungsschild. Vom Felskopf geht es zunächst immer bergab in eine Scharte. Man kann auch nordseitig oder im unteren Teil auch südseitig leichter umgehen, jedoch wird man diese Möglichkeiten eher im (Wieder-)Aufstieg erkennen. Ansonsten hält man sich einfach nah am Grat (max. 2).
Von der Scharte umgeht man den ersten Turm zunächst südseitig, danach überschreitet man einige Türmchen, kann aber auch hin wieder südseitig umgehen.
Insgesamt max. 2, Zeit: hin und zurück je 1h.

Wettersteingrat
Wettersteingrat

Obere Wettersteinspitze - Rotplattenspitze:
Vom Gipfel zunächst direkt am Grat entlang bis zu einer ersten Scharte. Direkt am Abbruch zur Scharte ist man so ca. 3-4m zuviel gelaufen, also etwas zurück, nordseitig bei einem Block führt eine kaminartige, steile Rinne 3m nach unten (2) auf ein schmales Band. Auf diesem wird der Steilabbruch umgangen und man gelangt in die Scharte.
Jenseits der Scharte südseitig zu einem Steinmann absteigen und nun südseitig einen Turm umgehen. Danach wieder zum Grat aufsteigen. Am folgenden zerklüfteten Gratverlauf überklettert man mal Türme, mehrere Passagen werden aber auch nordseitig umgangen. Man erreicht so die Mittagsscharte, steigt einen grasigen Hang südseitig ab und weiter in eine Rinne. Durch diese (Schotter) weiter hinab bis man rechts aussteigt, etwas quert und über einen Grashang wieder zum Grat hochsteigt (Steinmann). Nun wieder die meiste Zeit auf dem Grat mit kleineren Umgehungen, bis der Grat langsam leichter wird und man schließlich leicht zur Rotplattenspitze aufsteigen kann.
Notabstieg nach Süden möglich (über eine Rippe, siehe AV-Führer).

Nachtrag 19.05.2013: Indirekt habe ich erfahren, dass man an der Mittagsscharte nicht zwingend so weit unten umgehen muss (aber trotzdem kann) wie ich es getan habe. Kann mir dazu jemand eine genaue Beschreibung geben?

Wettersteingrat
Wettersteingrat

Rotplattenspitze - Wettersteinkamm:
Zunächst ohne Schwierigkeit weiter zur Wettersteinwand. Notabstieg nach Süden in das Berglen-Tal möglich (s. AV-Führer). Zunächst auch ohne Probleme weiter in Richtung Wettersteinkamm. Im Gratverlauf tauchen jedoch noch ein paar kleinere Türmchen auf, die zu überschreiten sind.

Wettersteinkamm - 3 Scharten - Musterstein:
Zunächst im gutmütigen Gehgelände hinab zum Beginn der türmebewehrten 3-Scharten. Den ersten Turm umgeht man vollständig nordseitig. Also zum ersten gut sichtbaren Steinmann, dann ein übles Schotterfeld zu einem zweiten Steinmann queren und schließlich zu einer Scharte aufsteigen.
Der nächste Steilaufschwung wird über einen langanhaltenden 3er erklommen (erst Riss, dann Platte). Man folgt mehr oder weniger dem langgestreckten Gratverlauf über mehrere Türmchen hinweg, immer sehr ausgesetzt. Kurze Passagen können nordseitig umgangen werden. Insbesondere der letzte Turm vor der nächsten Scharte wird nordseitig umgangen.
Danach eine weitere schmale Gratpassage hoch und dem nun immer noch zerklüfteten Grat folgen, bevor es unterhalb des Ostgipfels des Mustersteins wieder leichter wird. Zum Ostgipfel schließlich ohne Probleme hoch. Vom Ostgipfel kurz eine Rinne südwärts hinab und schließlich um einen Gratblock herum in die Scharte unter dem Hauptgipfel. Hier nun eher südseitig (2) hoch zum Kreuz.

Wettersteingrat
Wettersteingrat
Musterstein - Meilerhütte:
Über den Westgrat zur Meilerhütte (2 - 3-). Nicht ganz einfach zu finden! Vom Gipfel weg hält man sich zunächst direkt am Grat und steigt in eine Scharte mit einem sehr markanten Felszacken ab. Hier nun weiter südlich absteigen, bevor man zu einer weiteren Scharte aufsteigen kann (Steinmänner). Von der Scharte in die Nordseite ausweichen und auf einem schmalen Band (Riss) den nächsten Turm umgehen, um in eine weitere Scharte zu gelangen. Durch eine steile Rinne 30m nach SW hinab (Abseilstelle). An der Südseite im auf und ab queren, um eine weitere nach Süden abbrechende Rinne zu erreichen. Eine weitere Querung auf einem Absatz, von hier wieder zurück auf den nun breiten Grat. Diesen für einige Meter verfolgen, dann in die Scharte vor einem rotgelben Überhang. In der Südseite führen deutliche Steigspuren über Rippen und Mulden zur Meilerhütte. Auf Steinmänner achten. Zeit ca. 1.5h.

Abstieg zum Ausgangspunkt:
z.B. durch das Berglen-Tal

Skizze als PDF: skizze_wettersteingrat.pdf

Charakter:
Insgesamt habe ich von der Oberen Wettersteinspitze bis zur Meilerhütte 10h benötigt, das geht bestimmt schneller. Solo hatte ich mit Biwakzeug und Seil (hätte ich bei der Abseilstelle vom Musterstein nicht vermissen wollen) zu viel Gepäck und hatte noch einige Verhauer dabei. Insgesamt denke ich, ist der Weg umgekehrt so wie im AV-Führer beschrieben einfacher zu finden, da die Steinmänner und einige Umgehungsmöglichkeiten dann offensichtlicher sind. Man hat jedoch den schwierigen 3er an den 3-Scharten dann im Abstieg.
Vom Gesamtanspruch würde ich den Grat schwieriger als den Blassengrat einschätzen, da viel länger und sich die Schwierigkeiten über den ganzen Grat verteilen. Es gibt viel Gehgelände, die meiste Zeit bewegt man sich jedoch im Absturzgelände und muss die Sache hochkonzentriert angehen.
An Felsqualität findet man alles, sehr brüchige Passagen wechseln mit toller Kletterei, auch in den schwierigen Abschnitten.
Die Notabstiege meine ich von oben alle erkannt zu haben, jedoch sah davon keine wirklich einladend aus, da viel brüchiges, unangenehmes und steiles Schrofengelände.

Karte:
AV-Karte Nr. 4/3 "Wetterstein, Östliches Blatt", 1:25000

Führer:
Stefan Beulke "Wetterstein", Alpenvereinsführer, Bergverlag Rother 4. Auflage 1996

Link:
-

Google Earth: Wettersteingrat


Titel: Nervenaufreibend
Bergspezln: solo

Überschreitung Wettersteingrat Woife fiel krank aus, wir hatten uns den Wettersteingrat vorgenommen. Da ich schon mal vor Ort war, wollte ich die Sache trotzdem angehen, die Schwierigkeiten traute ich mir auch solo zu. Entgegen des ursprünglichen Plans, der eine Begehung von der Meilerhütte vorgesehen hätte, wählte ich nun den umgekehrten Weg, beginnend mit den Normalanstieg zur Oberen Wettersteinspitze am ersten Tag. Dort deponierte ich mein reichliches Gepäck vorerst und kletterte so schnell zur Unteren Wettersteinspitze. Ein sehr exklusiver Gipfel, das Gipfelbuch ist von 1978 und immer noch bei weitem nicht voll.
Eigentlich wollte ich am ersten Tag noch ein paar weitere Meter am Wettersteingrat machen. Nur die Überwindung des ersten Steilabbruchs war mir zunächst schleierhaft. Der AV-Führer war da nicht sonderlich hilfreich. Also wieder Gepäck deponieren. Über eine Rinne stieg ich auf ein nordseitiges Band hinab und gelangte so zur ersten Scharte und Steinmann jenseits auf der Südseite. Umgekehrt war der Weg durch eine steile, kaminartige Rinne dann nicht zu verfehlen. Es war schon spät, aber der Weiterweg nun zumindest ausgekundschaftet und so biwakierte ich also nun auf der Oberen Wettersteinspitze.
Es hatte Plusgrade, mein Schlafsack war viel zu arm. Neben all den kitschigen Bergen im Morgennebel, Sonnenuntergang, Sonnenaufgang, Sternenmeer usw. wird mir vor allem die endlos lange Kette von Rücklichtern durch Garmisch und Oberau hindurch in Erinnerung bleiben.
Morgens gings dann los. Die Sache war v.a. lang und nervenaufreibend. Große Stücke muss man doch hochkonzentriert zu Werke gehen. Der Grat ist zwar meist rein technisch nicht wirklich schwierig, aber es hat viele sehr ausgesetzte Passagen und das Gestein macht leider auch nicht immer den solidesten Eindruck.
Am zerklüftesten ist dabei gleich die erste Passage von der Oberen Wettersteinspitze weg. Auf dem Weg über Wettersteinwand und -kamm hat man dann Zeit, den umfassenden Ausblick auf Nah und Fern zu genießen. Am meisten Bammel hatte ich vor der Überschreitung der 3-Scharten. Hier leistete ich mir erstmal bei der Umgehung des ersten Turms einen von vielen Verhauern. Der Aufstieg zum zweiten Turm ist die schwierigste Teilpassage am ganzen Grat und jenseits dessen, was ich eigentlich ohne Seil noch gehen mag. Nicht so sehr die Schwierigkeit macht einen hier zu schaffen, sondern die Ausgesetztheit. Der weitere Verlauf sieht dann im Vor- und Rückblick ziemlich wild aus. Erstaunlich, wie verhältnismäßig einfach der Weg über die vielen Zacken letztendlich ist.
Es gilt den Schlußanstieg zum Musterstein zu meistern, der jedoch großteils einfach, aber kein Gehgelände mehr ist. Ich war nun doch schon ordentlich müde und so bereitete mir der abschließende und eigentlich schon bekannte Abstieg zur Meilerhütte nochmal einiges an Mühe. Hier kam mein mitgeschlepptes Seil beim Abseilen doch noch zum Einsatz und ich war auch sehr froh drum. 100m vor der Meilerhütte dann der nächste Verhauer. Also nochmal ein paar Höhenmeter mehr.
Im Vorfeld hatte mir die Hüttenwirtin der Meilerhütte am Telefon gesagt, dass der Winterraum zu ist. Jetzt stand ich davor und siehe da, es braucht noch nicht einmal mehr einen AV-Schlüssel, um in den gut ausgestatteten Winterraum zu gelangen. Freche Fehlinformation würde ich dazu mal sagen.
Nur was ich suchte, gab es eh nicht, kein Wasser!
Was blieb war, der Abstieg durch das Berglen-Tal und die abschließenden 4km Fußhatscher entlang der Straße zum Auto. Ich war dann doch rundum bedient für diesen Tag ...

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