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Eiger
Tour 506 3970 Eiger Integral: Ostegg - Mittellegi - Westflanke Berner Alpen Hochtour D 04.08.13    

Eiger-Überschreitung www.sirdar.de

Fakten
Etappe 1:Alpiglen - Ostegg-Hütte, 3h. Alpiner Klettersteig.
Etappe 2:Ostegg-Hütte - Eiger-Hörnli - Mittellegi-Hütte, 8h. 2SL: 5 A0.
Etappe 3:Mittellegi-Grat, 4h. 3 / A0.
Etappe 4:Abstieg Westflanke, 6-7h. 2-3.

Ausgangspunkt:
Bahnstation Alpiglen (1616m)

Anfahrt von München:
München - Zürich - Bern - Grindelwald. Bahnstation "Grindelwald-Grund". 4-5h. Mit der Jungfraubahn zur Station "Alpiglen".

Stützpunkt:
Ostegg-Hütte (2317m)
Selbstversorger-Hütte, 15 Plätze, sehr gut ausgestattet, Getränke zu kaufen, Regenwasser, Gas und Holz. Schmelzwasser-Bäche finden sich in der näheren Umgebung, so es noch ein paar Schneefelder hat.
Reservierung und Zugangscode über "Grindelwaldsports"

Mittellegi-Hütte (3355m)
36 Plätze, Reservierung (s. Seite unten) unbedingt erforderlich, da bei guter Wettervorhersage immer gut besucht.
Neben der Hütte eine Biwakschachtel mit 12 weiteren Plätzen.

Beide Hütten:
www.mittellegi.ch
www.grindelwaldsports.ch

Route:
Alle Teile der Überschreitung des Eigers eignen sich nur für den sehr erfahrenen Westalpen-Geher. Die Gesamtheit der Anforderungen, die Ausgesetztheit, alles ist am Eiger nochmal eine Spur anspruchsvoller als an den Bergen nebenan. Die Verhältnisse können sich innerhalb von Stunden komplett ändern und die Tour unmöglich machen. Alle Abstiegswege sind schwierig und zeitaufwendig. Deswegen dringend der Rat, erstmal anderswo Erfahrung sammeln.

Vorne weg auch ein paar Worte zum Fels am Eiger:
Ungünstig, da dachziegelartig geschichteter Hochgebirgskalk. Das ergibt die berühmten abwärts geneigten kleinen Platten, die zudem zur Brüchigkeit neigen und nicht sehr gut abzusichern sind.

Ostegg-Hütte, mittelschwerer Klettersteig von Alpiglen
Von der Bahnstation Alpiglen in 2-3h zu erreichen. Man folgt dazu von Alpiglen dem Eiger-Trail Richtung Gletscherschlucht. Unter dem Ostegg zweigt man rechts auf einem Pfad ab (großer Wegweiser zur Ostegg-Hütte). Der Weg ist nun deutlich alpiner und hat auch ein paar leichtere Kletterstellen. Nach einer Geröllhalde gelangt man an die Felsen, wo ein mittelschwerer Klettersteig bis direkt zur Hütte beginnt.

Charakter:
Zuerst alpiner Wanderweg, dann mittelschwerer Klettersteig. Helm unbedingt erforderlich.

Überschreitung Eiger-Hörnli, Ostegg - Mittellegi, 5A0, 8h
(S.Matsukata, S.Uramatsu, E.Steuri, S.Brawand, 6. August 1927)
Das erste Ziel ist der "Sattel", eine Scharte östlich des Hörnli-Nord-Gipfels. Der Weg dorthin ist von der Ostegg-Hütte ganz gut zu sehen. Man folgt dazu hinter der Hütte den deutlichen Wegspuren und Steinmännern leicht ansteigend gen Westen bis zu einem Felsbollwerk. Hier kehrt der Weg um, und man geht ein gutes Stück wieder ansteigend in die andere Richtung. Ziel ist eine Rinne, welche von links nach rechts zum Sattel hochzieht. Weiter oben kommen zu den Steinmännern noch schwache rote Markierungen hinzu. Man klettert über mehrere Felsstufen und einen Kamin hinweg (2-3) und erreicht so den Sattel unter dem ersten Gipfel der Hörnli.
Von rechts zieht ein Seitengrad auf den Vorgipfel. Zum Beginn dieses Grates (Steinmann) kommt man leicht über ein Band. Man folgt nun mehr oder weniger direkt den Seitengrat (Stellen 3, einige BH) bis zum Vorgipfel.
Den eigentlichen Nordgipfel der Hörnli mit dem Durchschlupfloch hat man nun direkt vor sich und man folgt dem Grat direkt darauf zu in eine Scharte hinab. Nun in einen kleinen Schutttrichter und jenseits links eine Rippe wieder hoch. Auf einem Band kommt man zum Durchschlupfloch mit Wandbuch.
Durch das enge Loch hindurch. Jenseits dann links weiter zu einer plattigen Wand mit Fixseil. An diesem zunächst hoch, dann links um die Kante herum. Nun eher nördlich und dann auf dem Grat zum Südgipfel der Hörnli.
Man seilt nun direkt in den "Hick", eine tiefe Scharte hinab. Entweder 1x50m oder 2x25m möglich (viele BH). Von der Scharte aus kommen die zwei Schlüsselseillängen in der Südseite des folgenden Turms. Es hat viele BH.

1.SL (5A0, 20m): Zunächst einen Riss gerade hoch, dann linkshaltend über eine Platte (5A0, Stifte, Haken). Danach Stand am unteren Ende einer Rinne.
2.SL (5, 35m): Durch die Rinne direkt hoch bis zum Stand am Grat, viele BH. Zwischenstand möglich.

Nun rechts auf einem Band um einen Block, dahinter wieder auf den Grat. Eine kleine Scharte gibt nochmal Rätsel auf (Spreizschritt), danach auf den ersten Kopf des nun folgenden langen Grates bis zur Mittellegi-Hütte.
Meistens hat es nun Gehgelände. Man bleibt quasi immer am Grat. An kurzen Steilaufschwüngen gibt es immer wieder Kletterstellen bis zum 3. Grad, bis man schließlich die Hütte erreicht.

Charakter:
Bis zum Sattel sehr brüchiges Gestein, Wegfindung anspruchsvoll. Der Fels wird dann mit jedem Meter besser, bleibt aber immer gefährlich. In den beiden Schlüsselseillängen jedoch fantastischer Fels und schöne Kletterei. Am besten ein Einfachseil mit 50m-Länge, oder ein 60m-Halbseil doppelt genommen. Es hat immer wieder Bohrhaken, ansonsten ist der Fels nicht sehr "sicherungsfreundlich", am besten noch mit Köpflschlingen. Ein paar Keile und Friends sollten im Sortiment nicht fehlen. Die beiden Schlüsselseillängen sind allerdings sehr gut mit Bohrhaken ausgestattet. Man braucht 8 Expressen. Der Grat sollte am besten weitgehend schneefrei sein.
Die Überschreitung der Hörnli-Gipfel zur Mittellegi-Hütte ist weit schwieriger als der Mittellegi-Grat!

Mittellegi-Grat, 3 / A0, 4h
(M.Kuffner, A.Burgener, J.Biner, A.Kalbermatten, 3. Juli 1885 im Abstieg)
(Yuko Maki, F.Amatter, F.Steuri, S.Brawand, 10. September 1921 im Aufstieg)
Die Wegbeschreibung ist einfach, immer am Grat entlang. Die ersten Aufschwünge noch ohne Hilfsmittel, bis 3. Grad. Danach an einem ersten Tau in eine Scharte. Wieder mehrere Aufschwünge, teils frei, teils Taue.
Vor dem großen Turm einmal 20m abseilen. Der große Turm wird in der Nordseite mithilfe eines sehr langen Taus überwunden, zum Schluss noch Fixseile. Der Grat wird nun flacher und geht schließlich in Firn über. Dazwischen noch einige felsige Stellen, bevor schließlich die berühmte lange und sehr ausgesetzte Firnschneide (Wächten!) über dem Ausstieg aus der Nordwand beginnt.

Charakter:
Freie Kletterei bis zum 3. Grad erforderlich. Lange Passagen v.a. an Tauen und auch Fixseilen. Dies nicht unterschätzen, da sehr anstrengend. Der Grat ist immer sehr exponiert. V.a. die Firnschneide vor dem Gipfel, mit dem 45° geneigten Eisfeld. Hier große Wächtengefahr.
Bei den frei zu kletternden Passagen hat es mitunter BH, die jedoch immer am Beginn der Kletterei angebracht sind. Eigene Sicherungen lassen sich kaum legen. Lange Sturzweiten wären die Folge, deswegen Vorsicht. Steigeisen und Pickel für Firnschneide unerlässlich.

Abstieg Westflanke, AD, 2-3, 6-7h
(Ch.Barrington, Ch.Almer, P.Bohren, 11. August 1858)
Der Abstieg über die Westflanke ist so fürchterlich wie sein Ruf. Das schon mal vorweg. Alle Richtungsangaben in Abstiegssinn, abseilen maximal immer 20-25m. Die Beschreibung gilt für sommerliche Bedingungen.
Vom Gipfel über den vereisten Westgrat hinab bis zu einer Sicherungsstange. Zu einer weiteren abklettern. Nun mehrmals an Haken und Stangen durch eine Rinne abseilen. Nach der Rinne wieder direkt an den Grat und weiter absteigen bis zu einer weiteren Sicherungsstange. Durch mehrmaliges Abseilen an Stangen umgeht man den Felskopf am Grat links in die (Firn-)Flanke hinein und quert unterhalb des Kopf wieder etwas nach rechts. Nun hat man die Westflanke in ihrer vollen Gruseligkeit zu Füßen.
Neben dem Westgrat befindet sich ein großes Couloir, wiederum links davon ein Hang mit vielen Stufen und Geröll, über dem man nun steht. Ein eindeutigen Weg zu beschreiben fällt schwer. Man steigt den leichtesten Möglichkeiten und Pfadspuren folgend eher in direkter Linie nach unten. Hin und wieder Steinmänner. Dort wo es steiler wird, weicht die Route linkshaltend aus. Darunter ist es wichtig, einen großen Steinmann zu finden. Hier führt der Weg nun rechtshaltend zunächst zurück auf die linke Begrenzungsrippe des großen Couloirs. Dann bei Steimännern und großer roter Markierung, sowie Pfeile, quert man in das Couloir hinein und kann 1x zu dessen Fuß abseilen.
In der nun folgenden Flanke mit noch mehr Stufen, aber weniger Geröll, steigt man eher rechtshaltend, aber in der Flanke ab. Auch hier sind viele Wege möglich. So ca. auf 3100-3200m findet sich im Westgrat der "Pilz", eine markante Felsformation, die sofort ins Auge sticht und Basejumpern als Absprungbasis dient. Ungefähr auf Höhe des Pilzes quert man zurück bis direkt an den Westgrat (Holzstangen, Steinmänner).
Nun linkshaltend zurück in die Flanke, über eine "Sinterterrassen"-ähnliche Strukturen direkt hinab. Darunter nach rechts und zu Fixseilen. Nun durch abseilen oder abklettern an den Fixseilen geht es eine Rinne hinab, durch welche eine steile Wand überwunden wird.
Darunter werden die Hänge flacher und es hat nicht mehr soviel Geröll. Eher rechtshaltend steigt man ab und versucht die spärlichen Steinmänner zu finden. Zum Schluß gelangt man eher ganz rechts in der Flanke auf das große Geröll-, bzw. Firnfeld am Beginn der Westflanke. Der weitere Weg stellt nun keine Herausforderung mehr dar, schließlich biegt von rechts auch der Abstieg des Klettersteigs vom Rotstock ein und man kommt ohne Probleme zur Station Eigergletscher der Jungfraubahn. Von hier zu Fuß noch 35min bis zur Kl. Scheidegg.
Charakter:
Was soll man sagen, Orientierung ist ein großes Problem. Vorteil der Westflanke, man verliert sehr schnell an Höhe. Im Nebel ist die Route aber ohne genaue Ortskenntnis nicht zu finden.
Man seilt an vielen Sicherungsstangen und Haken ab. Dazwischen lange Passagen in steilen Geröll, welche die typischen Eiger-Platten bedecken. Man bewegt sich durchgehend im Absturzgelände. Markierung und Pfadspuren eher spärlich. Am einfachsten konnte man noch den Kratzern folgen, die durch Steigeisen der Vorgänger hinterlassen wurden.
Ach ja, Steinschlag ist auch ein Problem. Früh im Jahr kommt man in Firnfeldern evtl. besser und einfacher voran.

Eiger
Ostegg, gesehen vom Hintisberg

Eiger
Blick von Grindelwald auf den gesamten Nordostgrat

Eiger
Ostegg-Hütte - Sattel

Eiger
Sattel - 1. Hörnli-Gipfel über Seitengrad

Eiger
Durchschlupf

Eiger
Schlüsselseillänge von unten

Eiger
Abstieg Westflanke

Karte:
Schweizer Landeskarten, 1:25.000: 1229 (Grindelwald)

Führer:
Ueli Mosimann, Hochtourenführer SAC "Berner Alpen", unbedingt möglichst aktuellste Auflage.
Der Charakter der Route vom Ostegg zur Mittellegi-Hütte hat sich seit Bau der Ostegg-Hütte 1998 stark verändert.

Ralf Gantzhorn "Himmelsleitern: 50 Fels- und Eisgrate in den Alpen", Bergverlag Rother

Link:
www.tourentipp.de

Openstreetmap: Karte Eiger
Quelle: www.openstreetmap.org

Titel: Volles Programm
Bergspezln: Thomas

Eiger Es gibt wohl keinen anderen Berg weltweit bei dem Anspruch, Besteigungsgeschichte, Charakter, Landschaft und Ausgesetztheit so eine einmalige Kombination ergeben, wie am Eiger.
Mal abgesehen von der Nordwand, auch der Mittellegi-Grat hat seine spannende Geschichte. Er wurde zuerst im Abstieg mit Abseilen an einem Pickel gemacht. Erst viel später gelang der Aufstieg mit allen zu derzeit zur Verfügung stehenden Mittel. Von daher entsprechen die langen Taue am Grat durchaus dem Charakter der Erstbegehung.
Seit dem Bau der Ostegg-Hütte 1998 gibt es nun auch die Möglichkeit den Eiger auf einer fantastischen Route zu überschreiten und dabei (fast) den gesamten Nordostgrat zu begehen. Besser geht es nicht und man bewegt sich auf der ausgesetzten Schneide der Gegensätze. Links das Hochgebirge mit den schmelzenden Gletschern der Berner Alpen, rechts die grünen Matten über Grindelwald. Beides sehr tief unten. Da weiß man gar nicht, mit welchen Superlativen man die Tour beschreiben soll.
Fangen wir mal mit der Ostegg-Hütte an. Die sitzt auf einem Logenplatz hoch über Grindelwald und ist nur recht anspruchsvoll über einen Klettersteig erreichbar. Hinter der Hütte gibt es eine Felskanzel, hier steht man hoch über dem Grindelwaldgletscher, oder was davon übrig ist und kann den gesamten Zustieg zur Schreckhornhütte sehen. Inklusive der Traumberge darüber versteht sich. Da hat sich der Weg schon mal gelohnt. Am nächsten Tag geht es dann los mit der Kletterei über die scharfe Schneide. Wobei am Anfang ist es erstmal brüchig, aber man gewöhnt sich dran. Wir kletterten seilfrei bis in den Sattel und noch etwas darüber hinaus, dann ging es am Seil weiter.
Ein originelles Highlight ist dabei ein Durchschlupfloch unter dem Nordgipfel der Hörnli. Zunächst weiß man gar nicht, wie man da überhaupt hinkommen soll, aber der Weg dröselt sich schließlich doch auf. Das Loch wurde von den Erstbegehern persönlich erweitert und so passt nun eine Person ohne Rucksack gerade so durch.
Fixseile erleichtern den Weg hinauf zum Südgipfel der Hörnli. Von oben sahen wir zwei Gemsen zwischen den vielen Spalten des Challi-Firns umherirren. Irrwege gab es für uns vorerst nicht, hinab in den Hick und dann die zwei schwersten Seillängen der gesamten Tour. Dafür hatten wir auch extra die Kletterschuhe mitgenommen. Die Seilschaft vor und hinter uns machten das mit den steigeisenfesten Trettern. Hätte ich nicht gepackt. Auch so war die Kletterei mit dem schweren Rucksack anstrengend, würde aber auch unter normalen Bedingungen sämtlichen Qualitätsanforderungen standhalten. Soll heißen, schön zu klettern war es. Es geht zunächst noch einfach einen Riss hoch, dann folgt eine ausgesetzte Querung über eine Platte, hier hält man sich gerne an den Stiften fest. Danach geht es gerade und senkrecht durch eine Rinne nur hoch und am Ende konnte ich es nicht glauben, dass es doch nur 35m waren. Ich war ganz schön am hecheln.
Schwieriger wird es dann allerdings nicht mehr, d.h. ein kleines Rätsel in Form eines Spreizschrittes tat sich uns noch auf. Dauerte ein wenig, bis wir die Lösung kapierten.
Der folgende Grat ist nun nicht mehr so zerklüftet, nun heißt es v.a. Strecke machen. Einige Steilpassagen zwingen aber doch immer wieder zum Zupacken. Zwischendurch fliegt tief unter uns ein blauer Doppeldecker sehr langsam über den Eismeergletscher. Man meint er verschwindet gleich in den Spalten oder zerschellt an den Eisflanken. Doch dreht der Flieger noch locker eine Runde bevor es zurück ins Tal geht. Eindrucksvoller können einem die Dimensionen hier nicht vor Auge geführt werden.

Der erste Teil ist erledigt, wir erreichen die Mittellegi-Hütte. Die sitzt eindrucksvoll auf dem schmalen Grat, wieder geht es links und rechts nur tief, tief runter. Die Hütte ist klein und deswegen die Plätze rar. Der Hüttenwirt ist aber trotzdem 18h am Tag am Rödeln, um die Bergsteiger zu versorgen. Der bisher gute Sommer macht ihm zu schaffen. Ein paar Regentage zur Erholung wären nicht schlecht, meint er nur lapidar.
Ein kleinen Gruß davon gibt es in Form eines Gewitters. Das die Blitze unter einem durch die Wolken zucken, sieht man auch nicht alle Tage. Der Mittellegi-Grat war unsere nächste Etappe. Kurz vor Dämmerung marschieren wir los. An die abwärts geschichteten Platten haben wir uns mittlerweile gewöhnt und kommen gut voran. Bald beginnen auch die Passagen, wo man sich an Tauen bergauf zieht. Das Ganze geht auf Dauer mächtig in die Arme. Nachdem wir den großen Turm, der den Erstbegehern so viel Mühe gemacht hat, hinter uns haben, zieht in der Ferne ein Gewitter auf. Es ist 8 Uhr morgens und unglaublich schnell hängt es auch schon am Eiger und wir mittendrin. Wir verkriechen uns notdürftig in eine Scharte und warten ab. Es fängt zu schneien an. Innerhalb einer halben Stunde wechselten die Bedingungen von optimal auf gefährlich. Zum Glück war das Gewitter genauso schnell wieder weg, wie es da war. Die nun folgende, nasse 3er-Seillänge war aber nun alles andere als erfreulich, Sicherungen konnte man auch nicht legen.
Zum Glück hielt das Wetter dann den ganzen Tag über und der war noch lang. Kurz vor dem Eiger-Gipfel folgt die berühmte Firnschneide mit der Südwand zur einen und dem 45°-Eisschild zur anderen. An der Schneide mit Sicherheitsabstand zu den Wächten führt der Weg. Eine dicke Spur war vorhanden. Mir kam dabei die Geschichte von der Rettung Cortis aus der Nordwand in den Sinn. Der wurde vom Gipfel aus per Stahlseil hochgezogen. Allein die Vorstellung sich von der dünnen Schneide Richtung Nordwand abseilen zu lassen, sehr gruselig.
Eiger Dann war er erreicht der Gipfel, reichlich unspektakulär, bei dem was hinter einem liegt und was noch kommt. Kein Gipfelkreuz, kein Champus, nur die Gewissheit auf einen langen Abstieg. Speziell ich hatte noch die Worte eines Bergführers vom Vortag im Kopf, Abstieg über die Westflanke, 4 Stunden und du bist unten. Nun gut, aus den 4 wurden dann 8 Stunden. Lag es am Weg, an uns oder was auch immer. Eindrucksvoll war es und anstrengend. Ich musste wieder an der armen Corti denken, bzw. seine Retter, die in über diese Flanke zu Tal trugen. Da kann man nur ehrfürchtig den Helm ziehen.
Der Anfang geht noch, zuerst der oben verfirnte Westgrat, dann unzählige Male abseilen an Sicherungsstangen und einzementierten Haken. Aber dann steht man in der Westflanke, rundherum nur Geröll und unangenehm steile Hänge. Kein Weg in Sicht. Es hilft nix, da muss man durch. Ich folgte dabei den Steigeisen-Kratzern der vielen Vorgänger, dass stellte sich als gute Methode raus, um den am meisten begangenen Pfad zu finden. Hin und wieder vermittelte ein Steinmann Sicherheit. Es gibt ein paar neuralgische Punkte in der Flanke, die muss man einfach finden. Hier steigt dann zum Glück auch die Markierungsdichte. Aber alles nur, um im nächsten Geröllhang wieder etwas ratlos da zu stehen. So ging es schier endlos dahin. Es stimmt schon, in der Westflanke verliert man schnell an Höhe, aber was heißt das schon, wenn die Flanke 1800m hoch ist.
Zwischendurch kommt man immer wieder an die Westkante und kann einen Blick in die Nordwand werfen. So aus der Nähe wirkt sie zumindest in die Breite nicht mehr ganz so gewaltig, nach unten zieht es aber nach wie vor ungemein. Das Wetter war mittlerweile wieder prächtig, nur in der Nordwand, da hing sie, die berühmte Eigerwolke.
Irgendwann erreicht man das Geröllfeld unter der plattigen Westflanke und dann geht es auf einmal wieder schnell. Bald ist man der Eigergletscher-Station der Jungfraubahn. Da steht ein Cola-Automat, die Rettung! Die letzte Bahn war schon lange weg, aber bis zur Kl. Scheidegg sind es dann auch nur noch 35min. Am Wegesrand wurde auch die alte und originale Mittellegi-Hütte aufgebaut, man kann einen Blick hinein werfen. Wir übernachteten noch im Touristenlager am Bahnhof der Kl. Scheidegg. Und vor dem Fenster leuchtete diese Wahnsinnskulisse mit Eiger, Mönch und Jungfrau im Abendrot.
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Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl.
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