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Frieder
Tour 528 2053m Frieder, Nordwand Ammergauer Alpen Winterbergsteigen WI5- 08.03.14    

Schneerinnen mit Eiseinlage www.sirdar.de

Fakten
Höhenmeter:1050Hm
Zeit:sehr von den Verhältnissen abh., insg. 12h
Lawinengefahr:nur bei sicheren Bedingungen durchführbar
Hangrichtung:Nord, Abstieg Südost
Besonderheit:Langer Talhatscher unvermeidlich, nur bei wenig Schnee machbar

Ausgangspunkt:
Wandparkplatz Ellmaubach (900m)

Anfahrt:
Auf der Straße von Ettal zum Plansee findet sich ca. 3 km vor Linderhof auf der linken Seite ein Wanderparkplatz am Beginn des sog. "Fürstenwegs".

Stützpunkt:
-

Frieder, Nordwand mit Direktausstieg, WI5-, M2 (R.Sussmann, J.Scheifl 15.02.2014)
Kernstück der Tour ist ein Eisschlauch, mit 4-5 Seillängen.

Die Tour ist hier von den Erstbegehern beschrieben:
www.nordalpenklettern.lima-city.de

Zunächst gilt es, sich eine Taktik für die langen Talhatscher zurechtzulegen. Zur Frieder-Nordwand führt eine Forststraße entlang des Kuchlbachs (ca. 4km). Abstieg erfolgt über die Forststraße Grießen-Graswang (5-6km). Beide Wege sind bei wenig Schnee gut befahrbar, es herrscht jedoch ein Fahrverbot. Zu beachten ist auch, dass man beim Abstieg in jedem Fall bis fast zum Parkplatz zurückgehen muss, um dann ein beim Aufstieg weiter oben platziertes Auto wieder zu holen, d.h. man macht den Weg so oder so.
Für den Zustieg wählt man also den Weg entlang des Kuchlbachs direkt in Richtung Frieder-Nordwand, die sehr gut einsehbar ist. Direkt unterhalb der Nordwand zieht ein breiter Graben nach unten. Ein erster kleiner Kessel ist noch etwas felsig, der zweite, gleich dahinter auf ca. 1050m bietet über einen Steilwald eine Zugangsmöglichkeit zur Nordwand. Man überquert also den Bach und steigt durch den Steilwald direkt ca. 400Hm nach oben. Der Wald geht in ein Latschendickicht über, der Gratrücken auf dem man sich bewegt, würde in einer Rippe auslaufen. Der obere Teil der Eisrinne, welche den Kern der Tour bildet, ist gut zu sehen. Unterhalb muss man auf ca. 1400m ein paar Rinnen nach links queren und einen guten Zugang finden. Ein eindeutiger Weg existiert nicht. Im Gegensatz zu den Erstbegehern fanden wir eine leichtere Variante, die ohne Abseilen auskommt (evtl. nur wegen der hohen Schneelage).
Bevor nach dem Steilwald die Latschen also zu dicht stehen würden, überquert man nach links eine erste Rinne. Auf der Begrenzungsrippe gegenüber etwas hoch und nun gilt es einen guten Weg zur übernächsten Rinne zu finden. Dabei darf man nicht zu weit hochsteigen, sondern sollte es eher weiter unten probieren. Man ist nun ungefähr in Falllinie der angestrebten Eisrinne und kann eine Rinne direkt in die richtige Richtung hochstapfen. Man hält sich eher rechts, um sich dann links über Latschen auf eine weitere Rippe hochzuziehen. Diese Rippe führt in wenigen Metern direkt zum Beginn der ersten Eisstufe.
Der Eisschlauch ist nicht durchgehend, zwischen den Stufen immer wieder flachere Stapfpassagen.
1.SL (WI3): Erste Stufe ca. 6m hoch dahinter dann in flacher Rinne bis zur nächsten Stufe gehen.
2.SL (WI4): Eisfall ca. 15m hoch, nach oben hin schwieriger. Danach wieder Schneerinne.
3.SL (WI3): Wieder ein kurzer Fall (5-6m), danach Schneerinne unterbrochen von zwei kleineren Eisstufen. Zwischenstände problemlos möglich.
4.SL (WI5-): Ca. 25m hoher Fall, die ersten Meter sehr steil, nach einem flacheren Abschnitt noch mal schwierige Passage (WI4).

Nach dem Eisschlauch sind die Erstbegeher nach rechts in ein Parallelcouloir ausgewichen. Der logische Weg führt durch eine Schneerinne (Passagen bis 45°, kurze Engstelle) gerade nach oben zum Ostgrat. Über diesen (kurze Passagen M2) anregend zum nahen Gipfel.

Für den Abstieg wechselt man zur nahen Friederspitze über und steigt dann entlang des Normalwegs an der Friederalm vorbei, in Richtung Südost zur Forststraße Grießen-Graswang ab. Auf dieser nach Norden hinaus in Richtung Parkplatz (in der Kürze dieses Satz kann man das Ausmaß dieses Talhatschers nicht richtig würdigen). Kurz bevor man die Straße erreicht, folgt man einem Schild Richtung Linderhof und wechselt auf die andere Seite des Elmbaubachs (im Winter Geröllfeld). Danach in wenigen Minuten zum Parkplatz.

Frieder Nordwand
Frieder Nordwand mit dem komplizierten Zustieg

Frieder Nordwand
Blick vom Zahn zum Frieder mit gesamter Route

Charakter:
Die Tour wird wohl nur in Ausnahmewintern mit wenig Schnee möglich sein. Zu- und Abstieg durch langgestreckte Täler sollten möglichst schneefrei sein, sonst ist die Tour ohne Biwak nicht zu schaffen.
Der Aufstieg zur Nordwand erfordert gutes Orientierungsvermögen, sowie wenig oder sehr gesetzten Schnee. Ob und wie der Eisfall im zentralen Teil steht, kann vom Zufahrtsweg mit einem Fernglas beurteilt werden. Im Eisschlauch ist der Weg klar, auch die logische Fortsetzung bietet in der Hinsicht keine Schwierigkeiten, erfordert jedoch nochmals viel Spurarbeit.
Die ganze Tour ist also eher etwas für den Alpinisten, als den reinen Eiskletterer.

Karte:
Freytag & Berndt WK352 "Ehrwald - Lermoos - Reutte - Tannheimer Tal", 1:50000

Führer:

Link:
www.nordalpenklettern.lima-city.de

Openstreetmap: Frieder
Quelle: www.openstreetmap.org

Titel: Wühlerei
Bergspezln: Etienne, Thomas, Andreas

Frieder Ich wurde also mehr oder weniger zwangsverpflichtet, mich mal wieder meiner "Domäne", dem Eisklettern zu widmen. Hatte ich zwar eh schon länger vor, aber dann gleich mit einer 5- wieder anzufangen? Nun gut, Gelegenheiten für so eine exklusive Tour, wie die Nordwand zum Frieder hoch, sind eher selten, also wird schon irgendwie gehen. Meinen Rettungsanker, die Steigklemme, hatte ich dann aber doch prompt zuhause vergessen. Zuerst war aber eh ganz anderer Einsatz gefordert. Nachdem wir mit dem Auto bis fast zum Einstieg gefahren waren, kämpften wir uns den Steilwald in Richtung Eisrinne hoch. Dazwischen wartete aber noch ein unübersichtliches Gewirr an Rinnen, in denen es reichlich Schnee hatte. Den Zustieg der Erstbegeher, ein paar Wochen zuvor bei weniger Schnee, fanden wir nicht. Dafür aber nach einigen auf und abs, vielen Querungen und ganz viel Wühlerei durch tiefen Schnee, bzw. man könnte es auch schon als Schwimmen bezeichnen, einen Zugang, der ganz ohne Abseilen auskam. An einer unangenehmen Stelle mussten wir uns über Latschen hochziehen und standen gleich dahinter am Einstieg zum Eisschlauch. Ich stellte mich hinten an und durfte die Sache im Nachstieg angehen. Zum Glück waren die Eisstufen eher kurz, so dass meine Nöte nicht allzu groß wurden. Dass änderte sich bei der 5-, da wäre dann gute Technik von Vorteil gewesen. Hatte ich nicht und der gute Wille allein reichte auch nicht. So baumelte ich bald nach einem Nachstiegssturz im Seil. Wenig später rutsche mir ein Steigeisen halb vom Schuh, das war dann der zweite Flug an diesem Tag.
Die anschließende Schneerinne wird von den Erstbegehern zwar als langweilig verpönt, deren Mixed-Variante weiter rechts davon, wäre aber bei den vielen Schnee, wie wir in hatten, für uns nicht möglich gewesen. Ich fand die Rinne gut zu gehen, und es ist einfach der logischere Weg. Als Schmankerl bekommt man am Ausstieg einen kleinen Grat mit gewaltigen Zugspitz-Panorama als Bonus.
Dann wäre da noch der Abstieg. Mit jedem Meter runter dämmerte einen, dass wird ein ganz gewaltiger Talhatscher. Man kommt auf der anderen Seite des Berges wieder raus, muss ein ganzes Tal bis fast zum Parkplatz an der Straße rauslatschen und dann im schlimmsten Fall, das Auto am Einstieg wieder holen. Man stelle sich vor, die Talwege wären tief verschneit, ohne Skier hätte man da einiges zu tun. Wir waren mit zwei Autos da, aber es wurde auch so spät.
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Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl.
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