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Große Reibn
Tour 530 2579 Große Reibn Berchtesgadener Alpen Skitour S 22.03.14    

Gewaltige Skitour, die ihresgleichen sucht www.sirdar.de

Fakten
Höhenmeter:schwierig zu sagen, insg. ca. 4200Hm, abh. vom Startpunkt und Route
Zeit:2 Tage
Lawinengefahr:sehr hoch, nur bei Frühjahrsverhältnissen zu empfehlen, Abfahrten bis 40°
Hangrichtung:Alles
Besonderheit:zu den Höhenmetern kommen noch fast 50km Strecke

Ausgangspunkt:
Parkplatz Hinterbrand (1150m)

Anfahrt:
In Berchtesgaden zum Obersalzberg hoch, dann rechtshaltend auf der Scharitzkehlstraße bis zum Ende. Gebührenpflichtiger Parkplatz "Hinterbrand".

Stützpunkt:
Carl-von-Stahl-Haus (1736m)
auch von der Jennerbahn zu erreichen, empfehlenswert als Startpunkt, wenn man die Nacht vor der Tour hier verbringt

Wasseralm (1415m)
Selbstversorger-Hütte, nach Abfahrt durch den Eisgraben, im Winter offen; Holz, Ofen, Geschirr vorhanden

Kärlinger Haus (1630m)
am Funtensee, rund um Ostern bewirtschaftet, sonst offener Winterraum; Holz, Ofen, Geschirr vorhanden

Ingolstädter Haus (2119m)
unmittelbar unter dem Dießbacheck / Hundstod gelegen, offener Winterraum

Wimbachgrieshütte (1327m), im Winter geschlossen

Skitour
Zunächst gilt es, sich eine Taktik zu überlegen. Man startet entweder an der Jennerbahn, oder weiter oben am Parkplatz Hinterbrand. Die Große Reibn endet an der Wimbachbrücke. Um wieder zum Ausgangspunkt zu kommen, wären zwei Autos optimal oder man nimmt ein Taxi in Anspruch. Fahrrad bietet sich nur bei Ausgangspunkt im Tal an. Die steile Straße (Steigung 24%) bis zum Parkplatz Hinterbrand wäre nach der Reibn nochmal eine ultimative Herausforderung. Man könnte natürlich bis zur Jennerbahn radeln und dann mit der Seilbahn zur Mittelstation fahren. Optionen gibt es viele ...

Beim Start am Parkplatz Hinterbrand folgt man dem Forstweg zur Mittelstation der Jennerbahn. Ab hier über die Piste, vorbei an der Mitterkaser-Alm zum Kamm hoch. Wo man auf dem Weg trifft, der direkt von der nahen Bergstation des Jenners herüberführt. Zu beachten ist, eine enge Passage vor der Mitterkaser-Alm ist zu bestimmten Zeiten für Skitourengeher gesperrt, nähere Information auf der Seite der www.jennerbahn.de.
Vom Kamm geht es kurz bergab zum nahen Schneibsteinhaus und wenige Meter wieder hoch zum Carl-von-Stahl-Haus im Torrener Joch. Bis hierher hat man schon mal gut 600Hm gemacht.

Der Weg hoch zum Schneibstein ist nun klar ersichtlich. Von rechts her erreicht man den Gipfel. Es folgt die erste Abfahrt. Man steuert dabei den markanten Hügel des Windschartenkopfs an. Man kann den Gipfel mitnehmen, oder auch gleich zum nur wenig niederen Hügel links davon aufsteigen, über dem die Route weiter geht. Abermals wird abgefellt, man fährt den ersten steileren Rücken zu einer Scharte hinab. Nun links (SO-Seite) am Hang entlang abfahrend queren, bis man ein hügeliges Plateau erreicht. Der markante Berg voraus ist der Kahlersberg. Dieser wird weitläufig links umgangen. Es ist günstiger, mit Abstand zum Kahlersberg diesen halb zu umrunden, und erst später zu den nun flachen Ausläufern des SO-Grates vom Kahlersberg aufzusteigen. Man behält im auf und ab zwischen den Hügel grob die Richtung Süd bei, vor dem Wildalmriedl steigt man in einem Linksbogen zu einem Sattel, fährt kurz in einem Kessel ab. Das Ganze ist in natura logischer, als es sich mit Worten beschreiben läßt. Jenseitig nach dem Kessel geht es steil wieder hoch. Wo es wieder eben wird, kann man voraus schon die Einfahrt zum Eisgraben erahnen. Man sucht sich eine günstige Stelle und fährt zu einem kleinem Plateau nach Westen ab. Auf einem breiten Band nordwärts bis zum Ende, eine steile Rinne führt nach unten zu einem Kessel. Vor dem Kessel ein Steilabbruch. Hier muss man abklettern (ca. 30m, Stellen II, bei Vereisung Steigeisen!). Dies geht am besten mittig oder eher ganz rechts.
Nun den Eisgraben in der Hauptrinne abfahren. An der Waldgrenze versucht man links sich möglichst hochzuhalten. Man sieht eine markante Felswand voraus, den Lehlingkopf. Links, also südlich davon, gilt es in eine Scharte zu kommen. Man quert danach noch etwas weiter nach links und fährt dann durch Rinnen und über Felsblöcke etwas abenteuerlich ab. Bei optimaler Spurenwahl muss man nicht ganz bis zu einem kleinen Kessel mit Lichtung abfahren, sondern kann sich links davon etwas oberhalb halten. Gelingt dies nicht, landet man auf der angesprochenen Lichtung (ca. 1500) und hat 100Hm mehr zu bewältigen. Von hier wäre nördlich in wenigen Minuten die Wasseralm zu erreichen.
Von der Lichtung steigt man in nahezu direkter Linie durch ein breites Kar teilweise sehr steil und mühsam hoch. Je höher man kommt, umso weiter hält man sich rechts. Kurz bevor es wieder flacher werden würde, muss man nach links ausweichen, um so eine tiefe Senke ("Blaue Lache") links zu umkreisen. Am jenseitigen Rücken hält man sich nun endgültig westlich und steigt durch die "lange Gasse" relativ logisch zwischen Mulden und Hügeln immer bergan. Schließlich kommt das Gipfelkreuz des Funtenseetauerns (2579m) endlich in Sicht. Bis dahin steht noch eine lange südliche Querung an. Der Schlußanstieg führt bis wenige Meter unterhalb des Gipfelkreuzes.
Westlich davon fährt man in direkter Linie den 35° steilen Westhang ab. Dieser Westhang verengt sich zu einer Rinne, der man folgt. Wo es flacher wird, zunächst rechtshaltend. Aber Vorsicht dieser Rinne nicht bis zum Ende folgen, sondern bei einer Kreuzung in eine linke Rinne dem Sommerweg folgen (Markierungen). Über diese Rinne geht es nun hinab bis zum Funtensee. Das Kärlingerhaus liegt am jenseitigen Ende. Ende Tag 1, der Tacho sagt, 25km und 3000Hm.

Der zweite Tag schließlich ist von der Orientierung her einfacher. Hinter dem Kärlingerhaus nach Norden zum Ende der Senke. Nun linkshaltend durch lichten Wald nach oben. Wo es flacher wird, direkt über eine kleine Ebene. Dahinter rechts hoch zum Hirschtörl. Der Große Hundstod kommt in Sicht und dient nun als eindeutiger Wegmarker. Über ein muldenreiches Plateau hinweg kommt auch bald das Ingolstädter Haus in Sicht, welches man aber links liegen läßt. Man steigt über einen steileren Hang zum Dießbacheck gleich links vom Hundstod auf. Dahinter folgt eine kurze Querung an dessen Westflanke. Man steht nun über dem Hochwies und hat den 35° steilen Westhang dort hinunter zu Füßen. Sehr eindrucksvoll und je nach Bedingungen eine gefährliche Abfahrt. Jenseits des Talbodens steht ein ca. 300Hm-Gegenanstieg zum Grat rechts des Seehorns bevor. Man erreicht den Gratverlauf in etwa mittig am tiefsten Punkt. Den Gratverlauf folgt man nun wenige Meter etwas ausgesetzt nach Norden, bevor man über einen breiten Idealhang zu der mit Schildern gekennzeichneten Einfahrt zum Loferer Seilergraben gelangt. Der Seilergraben ist in der Mitte durchgehend 40° steil, beste Bedingungen sind obligatorisch.
Nach dem Graben fährt man das Wimbachgries am besten direkt hinaus (die Wimbachgrieshütte wäre rechts). Irgendwann wird der Schnee enden und man hat einen landschaftlich eindrucksvollen aber zermürbenden Talhatscher bis zur Wimbachbrücke vor sich. Das Wimbachgries misst ca. 10km in voller Länge. Der 2. Tag bringt 21km und 1200Hm.

Große Reibn
Aufstieg zum Schneibstein, das Carl-v.-Stahl-Haus ist links im Joch

Große Reibn
Am Windschartenkopf links vorbei

Große Reibn
Am Kahlersberg nicht zu früh aufsteigen

Große Reibn
Die Kletterstelle im Eisgraben

Große Reibn
Abfahrt vom Funtenseetauern

Große Reibn
Zum Dießbacheck

Große Reibn
Abfahrt vom Dießbacheck

Große Reibn
Loferer Seilergraben

Charakter:
In jeder Beziehung anspruchsvolle Unternehmung. Da man weit ab vom Schuß und meist allein ist, nur für sehr erfahrene Skibergsteiger zu empfehlen. Beim ersten Mal ist es günstig, wenn eine Spur zum Folgen vorhanden ist. Ansonsten sind die GPS-Tracks, welche bei den unten genannten Links zu haben sind, extrem hilfreich.
Schlüsselstellen sind der Eisgraben, mit einer kurzen Kletterstelle (II, Steigeisen evtl. erforderlich), sowie die steilen Abfahrten zur Hochwies und durch den Loferer Seilergraben (35-40°). Das die Große Reibn nur bei besten Lawinenverhältnissen machbar ist, versteht sich dabei von selber.

Karte:
Bayerisches Landesvermessungsamt UK25-1 "Nationalpark Berchtesgaden", 1:25000

Führer:
Markus Stadler "Skitourenführer Bayerische Alpen", Panico Alpinverlag, 1. Auflage 2007

Link:
www.bergsteigen.com
www.tourentipp.de

Karte:
Auf den Karten ist nur der ungefähre Routenverlauf eingezeichnet, um eine Vorstellung zu bekommen. Die Skizze ist nicht für exakte Orientierung vor Ort gedacht!

Openstreetmap: Große Reibn

Openstreetmap: Große Reibn

Openstreetmap: Große Reibn
Quelle: www.openstreetmap.org


Titel: Quäl dich!
Bergspezln: Thomas, Woife

Große Reibn Würde schon hart werden, soviel war klar. Tagesfüllend sowieso. Letztendlich fühlte ich mich dem Exitus aufgrund Erschöpfung bedrohlich nahe, bevor die Erlösung in Form des Kärlingerhauses im Schein unserer Stirnlampen erstrahlte.
Wir waren mit zwei Autos vor Ort, eines wurde an der Wimbachbrücke deponiert, mit dem anderen ging es zum Ausgangspunkt am Parkplatz Hinterbrand. Der Aufstieg zum Carl-von-Stahl-Haus und dem Schneibstein war schnell erledigt. An anderen Tagen wäre das durchaus eine vorzeigbare Skitour gewesen, bei der großen Reibn steht man gerade mal am Anfang des Weges über das riesige Hochplateau. Man malt sich das Steinerne Meer ja gerne als ebene Fläche mit ein paar Hügeln drauf aus, das stimmt aber überhaupt nicht. In Wahrheit ist dies ein Gebirge für sich. Jede Menge Gräben und Senken sorgen für reichlich Höhenmeter. Abwechslung ist dabei garantiert. Landschaftlich ist dies nur schwer zu übertrumpfen und wohl auch einmalig in der Welt.
Nachdem wir die Eintrittskarte also gelöst hatten, folgten wir brav den Spuren unserer Vorgänger, sowie diversen GPS-Tracks. Am Kahlersberg erwies sich dabei der tourentipp.de-Track als etwas höhenmeterlastiger als die Konkurenz von bergsteigen.com. Angesichts des geplanten Tagespensums zählt aber jeder Meter weniger doppelt und dreifach. Die Große Reibn ist natürlich in erster Linie eine Gebietsdurchquerung mit dementsprechend viel Strecke. Gipfel werden dabei eher so nebenbei mitgenommen.
Noch gut in Schuss erreichten wir die Einfahrt zum Eisgraben, das erste bergsteigerische Highlight auf der Tour. Der richtige Weg ist im oberen Teil gar nicht so einfach zu finden. Steil geht es bis zu einem Abbruch, man muss die Skier tragen und über ein kleines Steilstück abklettern. An sich nicht schwierig, aber mit Skischuhen klettert es sich halt nicht so gut. Durch den Eisgraben geht es weit hinab. Wir passten nicht auf und schon hatten wir nochmal 100Hm mehr zu meistern. Die Option, auf der Wasseralm zu nächtigen, verwarfen wir. Der Weg über den Funtenseetauern sollte noch zu schaffen sein. Steil geht es aus dem Eisgraben wieder hoch zum Plateau. Eine Senke wird weitläufig links umgangen. Danach stiegen wir hoch bis zum Funtenseetauern. Der Berg wollte nicht näher kommen, meine Felle machten schlapp und der Rest bald auch. Als ob jemand den Stecker gezogen hätte. So wurde es spät und später. Bei Dämmerung stand ich 20 Meter unter dem Gipfelkreuz des Funtenseetauern und wollte nicht mehr. Die paar Meter sparte ich mir also und folgte Woife und Thomas in die 35° steile Westabfahrt. Bei Dunkelheit und Bruchharsch entledigten wir uns bald der Skier und stapften die steilsten Stücke zu Fuß ab. Der Talboden mit dem Funtensee wollte einfach nicht näher kommen. Eine Rinne nach der anderen wartete. Schließlich noch der Marsch am an sich kleinen Funtensee entlang und da war dann endlich der Winterraum des Kärlingerhauses. Komfortabel mit Ofen und Holz. Zwei Suppen später ging es mir auch wieder besser.

Neuer Tag, neues Glück. Erstaunlich, wie schnell man sich dann doch immer wieder erholt. Den zweiten Tag kannte ich zu großen Teilen schon von der Hundstodreibn. Über wiederum märchenhafte Landschaft steigt man hoch in Richtung Ingolstädter Haus und zum Dießbacheck unter dem Hundstod. In die Hochwies wartet ein weiteres Abfahrtschmankerl. 35° steil und bei uns schön gefroren und herrlich griffig. Super!
300 Meter geht es danach wieder hoch in Richtung Seehorn. Eine kurze ausgesetzte Passage am Grat sorgt für Abwechslung und schon hat man den Loferer Seilergraben vor sich. Man sieht das ganze Wimbachgries hinaus, daneben Watzmann und Hochkalter. Herrlich! Auch diese gut 40° steile Abfahrt erwischten wir mit guten Verhältnissen. Das Wimbachgries zeigte sich wie immer märchenhaft eindrucksvoll, wenn nur nicht immer dieser Hatsch wieder raus zur Wimbachbrücke wäre. Für mich nun die vierte Gelegenheit, dies zu genießen. Also Autopilot an, Kopfkino ein und mit starren Blick hinausmarschiert. Über Fragen von entgegenkommenden Ignoranten, warum man den nun mit Skier am Rücken, und Skischuhen an den Füssen bei 20°C rumstiefelt, kann man dabei nur müde lächeln. Eng ist der Blick im Tal und das "müde" hat man sich mehr als redlich verdient.
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