München - Innsbruck - Brenner - Bozen - Madonna di Campiglio. Im südlichen Ortsteil die
Fahrstraße zum Rifugio Vallesinella fahren. Dort Parkplatz.
Stützpunkt:
Rifugio Pedrotti (2496 m)
Winterraum: Decken vorhanden, kein Ofen, keine Töpfe. Wasser -> Schmelzwasser.
Zustieg:
Vom Parkplatz beim Rifugio Vallesinella der Beschilderung zum Rifugio Casinei folgen. Dort teilt sich
der Weg gleich hinter der Hütte auf. Es geht rechts hoch zum Rifugio Brentei. An diesem vorbei in die
Bocca di Brenta (2549m). Jenseitig wenige Meter unterhalb das Rifugio Tosa. Rifugio Pedrotti mit Winterraum
nochmal 200m entfernt. 3h vom Rif. Vallesinella.
Route:
Sentiero delle Bocchette Centrali
Von der Pedrotti-Hütte wieder zur Bocca di Brenta aufsteigen. Jenseitig (von der Pedrotti-Hütte)
100m unterhalb dieser im Val Brenta in der
Südflanke der Cima Brenta Alta findet sich der Einstieg (von der Pedrotti-Hütte kommend: rechts). Dieser
ist erdenklich gut mit Schild und Farbe markiert. Wenige Meter auf einem Band entlang, dann über Drahtseile und Leiter
hoch zum nächsten Band. Dieses um den ganzen Berg herum verfolgen. Kurz vor der Bocchetta del Campanile
Basso (Scharte) gilt es eine Eisrinne zu queren, die sich bis weit in den Sommer halten dürfte. In der
Scharte zu dem Einstieg des Normalwegs am Campanile Basso.
Von der Scharte nun ostseitig aufsteigend bis zum Campanile Alto. Immer auf Bändern querend (durchbrochen
von einigen Rinnen -> Schnee) in der Südostseite unterhalb der Sfulmini-Türme hindurch. Um den Torre di
Brenta herum landet man schließlich nach Abstieg über mehrere Leitern in der Bocca degli Armi (2749 m).
Von hier kann über den Restgletscher "Vedretta dei Sfulmini" zum Rifugio Alimonta abgestiegen werden und
weiter über das Rif. Brentei ins Tal.
Wer will kann den nächsten kurzen Abschnitt noch mitnehmen. Von der Scharte den Gletscher am oberen Rand
nach Norden queren. Eine große rote Markierung zeigt den Weiterweg an. Über ein Band absteigend nach links
dann durch eine Rinne auf einen Höhenrücken unterhalb der Cima Molveno. Steil in die Bocchetta Bassa dei
Massodi (2790 m) hinab. Jenseitig auf einem schmalen Band ausgesetzt nach links queren. Bald verzweigen sich die
Drahtseile, nach oben der weitere Bocchette-Weg, nach links ins Tal. Der Abstieg erfolgt steil in der
Schluchtwand. Endlose Leitern führen auf den Vedretta di Brenta. Bis hier von der Bocca di Brenta 3.5h.
Über die Brentei-Hütte zurück ins Tal.
Campanile Basso, Normalweg "Ampferer" IV A0 (frei V)
O. Ampferer, K. Berger, 18.8.1899
Zum Einstieg: s.o. Bocchette-Weg bis in die Bocchetta del Campanile Basso. Aus der Scharte nach links auf
einem Band in die Südwand des Basso queren. Links eines Kamins findet sich eine von Bändern gestufte Wand.
Hier relativ beliebig Einstieg.
1.+2. SL (insg. 50m, III+): Den gestuften Wandteil überwinden bis zur ausgeprägten Terrasse unter der Pooliwand.
3. SL (50m, IV+): "Pooliwand", entlang eines Risses gerade nach oben zu einem Abseilstand (hier am besten
Zwischenstand). Unterhalb eines tischförmigen Absatzes im Fels nach rechts um die Kante queren.
Danach leicht über stufiges Gelände nach oben zum Stand auf breitem Band.
4. SL (25m, I): Auf Band waagrecht nach rechts queren zu Stand an Felsblock.
5. SL (45m, III): Schräg rechts nach oben klettern über stufiges Gelände. Einen Felsturm aussen an der Wand
umgehen. Stand auf einem Band unterhalb einer Nische.
6. SL (25m, III): Zur Nische hochklettern, Stand am Beginn des Kamins.
7. SL (30m, III+): Den Kamin halblinks bis zu seinem Ende durchklettern.
8. SL (30m, III): Nach links über gestuftes Gelände zu Stand auf Ringband "Stradone Provinciale". Hier auch
Einstieg zur Preußwand.
Nun auf dem Ringband nach rechts um den halben Berg herum zum Beginn einer Verschneidung (unterhalb des markanten
von unten sichtbaren Felsturms, W-Seite).
9. SL (25m, III): Die Verschneidung gerade hoch.
10. SL (20m, III): Weiter die Verschneidung verfolgen.
11. SL (25m, III): Vor dem Ende der Verschneidung, rechts auf die begrenzende Kante und bald leichter werdend auf
einen Geröllplatz, der "Albergo del Sole". Stand an Felsblock.
12. SL (25m, IV): Eine Art schmale Rampe nach oben verfolgen. Am obersten Punkt steil absteigen zu einer kleinen
Terrasse an der Kante. Zwischendurch versteckte Sanduhr (Sicherung f. Nachsteiger!).
13. SL (25m, V o. IV A0): Auf Band 3m nach links in die steile Nordwand queren. Über plattigen Fels nach oben.
Stand wieder an der Kante.
14. SL (30m, III): Zuerst direkt die Kante verfolgen. Dort wo es schwieriger wird nach links ausweichen zu
Abseilring kurz unter dem kleinen Gipfelplateau.
Abstieg:
Campanile Basso
Entlang des Normalwegs. Vom letzten Stand direkt über die Kante bis in die Verschneidung und weiter auf das
Ringband abseilen (1x10, 3x20, 1x10, 1x25).
Auf dem Ringband wieder um den halben Berg herum. Nun 2x40m auf Band abseilen zu Stand oberhalb der Pooliwand.
Hier 2x40m und 1x20m zum Einstieg abseilen.
Charakter:
Sentiero delle Bocchette Centrali
Sehr gut abgesicherter und markierter Klettersteig. Ob der Schneerinnen wird man im Frühjahr um Steigeisen
und Pickel froh sein. Später im Jahr dürfte über die Schneerinnen ein gut ausgetretener Pfad führen.
Vereisung kann jedoch immer auftreten. Helm ist Pflicht! Über ein Klettersteigset wird man wegen der
Ausgesetztheit des Pfades auch froh sein.
Campanile Basso
Normalweg dank vieler Begeher gut vom Schotter befreit. Es stecken alle notwendigen Haken. Schlingen für
Blockstände werden unbedingt benötigt. Über ein Klemmkeilset ist man auch froh. Abstieg dank massiver
Abseilringe problemlos.
Drei Nächte verbrachten wir im Winterraum der Pedrotti-Hütte. Dieser ist einer der schöneren,
in denen ich bisher genächtigt habe, da noch relativ neu renoviert. Decken gibt es und die
waren auch bitter nötig, da es für Juni doch noch ziemlich frostig war. Kochgelegenheit usw.
sucht man wie üblich vergebens. Wasser ist auch ein Problem, wir fanden ein Schmelzwasser-Bächlein
auf dem Weg Richtung Cima Tosa, ca. 20 min. von der Pedrotti-Hütte. Die Tür zur Toilette hatte
vor uns schon jemand aufgebrochen.
Montag stiegen wir bei ziemlich üblen Wetter über die Brentei-Hütte und die Brenta-Scharte auf.
Die gewaltigen Felszacken der Umgebung konnten wir nur erahnen, stattdessen begrüßte uns
Graupelschauer an der Tosa-Hütte, so dass es doch ein Problem war, die nur 200m entfernte
Pedrotti-Hütte mit dem Winterraum aufzuspüren.
Der Dienstag brachte ziemlich unbeständiges Wetter, mit Änderungen im Viertel-Stunden-Takt.
Ausreichend Zeit also, um die nähere Umgebung zu erkunden. Von einer Scharte sahen wir dann
endlich auch unser Ziel, den Campanile Basso. Als schlanker Felsturm steht er da, windumtost
und nebelverhangen.
Nachts fielen die Temperaturen dann endgültig unter die Null-Grad-Grenze. Ein starker Wind kam
auf und das mit nur Drahtseilen abgespannte Blechdach der Pedrotti-Hütte veranstaltete einen
fürchterlichen Krach. Der Wind brachte allerdings auch schönes Wetter, bitterkalt blieb es
trotzdem. Zum Einstieg am Campanile Basso führt der erste Teil des berühmten Bocchette-Weges.
Hoch über den Karen bewegt man sich auf Felsbändern. Das ganze bestens mit Drahtseilen abgesichert.
In einigen Tiefen Rinnen lag bei uns noch viel hartgefrorener Schnee, so dass wir ob der mitgebrachten
Steigeisen und Eispickel doch sehr froh waren.
Wir hatten uns für den Normalweg auf den Campanille Basso entschieden. Die Route führt wie eine
Wendeltreppe ringsum auf die Spitze des Turms. So lernt man jede Seite kennen, in unserem Fall leider
auch die eisige Nordseite. Im Sommer stauen sich am Einstieg die Massen, wir waren allein
unterwegs. Der Preis dafür, eisige Kälte! Eine Winterbesteigung kann auch nicht schlimmer sein.
Erstes ernsthaftes Hindernis, die Pooli-Wand. Schon gut blank polliert, der Name ist also
Programm. Haken stecken jedoch genügend und da der Normalweg auch als Abseilpiste dient, sind
die Standplätze mit Abseilringen wirklich üppig ausgefallen. Nach einem kleinen Quergang und
einem Kamin steht man auf der "Stradone Provinciale", ein Ringband welches einmal um den Turm leitet. Der Normalweg
führt an der Westseite durch eine Verschneidung weiter. Hier hat man nun die volle Höhe des
Turmes unter sich. Steil bricht der Basso ins obere Kar des Val Brenta ab. Luftiger geht es
dann wirklich nicht mehr! Im "Albergo del Sole", einem Schotterkessel heißt es dann nochmal
durchatmen, bevor es an die Schlüsselstelle in der Ampfererwand geht. Diese ist in der Nordseite,
der Wind piff um die Ecke, mit frostigen Fingern zogen wir uns über die mit mit 4 A0 bewertete
Stelle an den Haken hoch. Frei wäre das eine 5. Aber dafür war es definitiv zu kalt. Bald
danach standen wir auf dem überraschend flachen und windstillen Gipfel. Mit bester Sicht auf eine
der schönsten Gegend in den Alpen, der Brenta!
Am nächsten Tag wollten wir noch die erste Etappe des Bocchette-Weges angehen. Immer steil
und ausgesetzt durchquert man hier auf Bändern die Brenta von Scharte zu Scharte. Es eröffnen sich immer neue Aussichten
in die so zerklüftete Bergwelt der Brenta. Den ersten Teil bis zum Campanile Basso kannten wir
nun schon vom Vortag. Steile, mit Schnee gefüllte Rinnen versperrten uns noch öfters den Weg.
Bald erreichten wir auch die berühmteste Stelle des Bocchette-Weges, von der sicherlich jeder
schon mal ein Kalenderbild gesehen hat. Wie ein U ist eine Rinne tief in den senkrechten
Fels eingeschnitten. Waagerecht dadurch führt ein Felsband, als ob es extra hineingeschlagen
worden wäre. Teils kommt man nur im Entengang weiter. Über viele Leitern erreicht man die
nächste Scharte und den Vedretta dei Sfulmini. Von hier ist es nur ein kurzes Stück bis zur Allimonta-Hütte.
Wir nahmen quasi die nächste Scharte noch mit. Leicht geht es hoch über den nächsten Felskamm,
viel schwieriger als gedacht wieder runter. Immer hoch in einer Schluchtwand steigt man an
Leitern wieder ab. Schmelzwasser war die Tage vorher über die Wand geflossen, nun war alles
vereist. Dicke Eiszapfen hingen an den Leitern und Drahtseilen. Vorsichtig tasteten wir uns
also an den unzähligen Leitersprossen nach unten, bis wir schließlich mit dicken Unterarmen
endlich den erlösenden Talboden erreichten.
An der Brentei-Hütte wurden gerade Vorbereitungen für die anstehende Sommersaison getroffen.
Der Blick auf Cima Tosa und die Nordkante des Crozzon de Brenta ist hier wirklich umwerfend.
Überall ragen Türmchen, Zacken und steile Felswände auf. War wohl nicht das letzte Mal, das
wir diese wunderschöne Ecke der Alpen besucht haben ...
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