| Kommentare zur Tour: | ansehen | anfügen |
Der höchste Berg von Portugal
| Fakten | |
|---|---|
| Ausgangspunkt: | Casa da Montanha (1230m) |
| Höhenmeter: | 1200Hm |
| Zeit / Strecke: | 6h, 8.2km |
| Markierung: | Sehr gut mit Pfosten |
| Anforderung: | Immer wieder kleine Kletterstellen, der Piquinho erfordert zwingend Kletterei bis I. |
| Besonderheit: | 2.3km über dem Atlantik |
Ausgangspunkt
Casa da Montanha (1230m)Zu erreichen über eine Fahrstraße von Madalena. Am sinnvollsten eigentlich nur mit dem eigenen Fahrzeug.
Regularien
2025 war zur Besteigung eine Genehmigung erforderlich. Dazu musste man auf der nachfolgend angegebenen Seite für einen bestimmten Tag einen fixen Zeitslot buchen. Dabei wird unterschieden, ob man nur bis zum Krater oder auch noch den höchsten Punkt, den Piquinho erklimmen möchte. Weiterhin kann man auch im Krater im Zelt nächtigen, das muss aber auch gebucht werden.Am Ausgangspunkt der Casa da Montanha muss man sich registrieren und nach der Besteigung auch wieder abmelden. Man bekam 2025 einen GPS-Tracker ausgehändigt, so dass man immer ortbar war. Der Tracker hatte auch eine Notruffunktion.
Ein gewisses Kontigent an Tagespermits wird nicht online vergeben. So man also morgens zeitig genug dran ist, kann man dann Berg auch ohne Vorbuchung besteigen. Dies gibt einen gewisse Optionen, falls am eigentlich gebuchten Tag das Wetter zu schlecht ist.
montanhapico.azores.gov.pt
Wetter
Die Hauptschwierigkeit bei der Besteigung des Pico ist das Wetter. Wir waren jetzt nur drei Tage auf Pico. Aber auch anhand der Fotos, welche so im Netz kursieren, meine ich schon, die typische Situation beschreiben zu können.Prinzipiell drücken vom Atlantik die Wolken herein, die sich dann am Hochland und natürlich auch den Pico stauen. Diese Seite liegt dann im Nebel, die windabgewandte dagegen ist frei. Sehr oft dürfte es auch der Fall sein, dass der Gipfelbereich des Pico über der Wolkendecke liegt.
Das Hauptproblem dürfte aber meiner Ansicht nach eh der Wind sein. Wir haben es selbst erlebt, mit welcher Gewalt der vom Atlantik her einfallen kann und dementsprechend eine Besteigung unmöglich machen kann.
Stützpunkt
Casa da Montanha (1230m)Man kann hier nicht übernachten, aber es gibt ein kleines Café.
Route
Was den Pico u.a. sehr anziehend macht, ist seine ebenmäßige Kegelform. Von daher kommt man überall und nirgends rauf. Von anderen Vulkan unterscheidet er sich auch dadurch, dass der Berg keiner loser Bröselhaufen ist, sondern eigentlich recht solide.Von der Casa da Montanha gibt es aber an sich eh nur den einen offiziellen Wanderweg hoch. Architektonisch ist das Haus gleich einer Pforte gestaltet, durch die man hindurch muss, um nach der Registrierung die Besteigung in Angriff nehmen zu können. Umgekehrt beim Abstieg gilt das genauso.
Nach dem Haus leiten Treppen nach oben, bevor man freies Gelände erreicht. Es geht immer in östlicher Richtung hoch. Erster Landschaftspunkt ist die Furna-Abrigo, ein kleiner Vulkanschlot. Danach geht es hoch in Richtung Krater, den man quasi von rechts her durch eine Bresche erreicht. Am Ostrand erhebt sich schließlich gleich einem Zuckerhut der Piquinho, den man über die doch recht steile Südflanke erklettern muss.
Der Abstieg folgt auf dem selben Weg.
Charakter
Steile Vulkantour mit weitgehend festen Untergrund. Es hat leichte Klettereien. Der höchste Punkt ist der Piquinho, hier ist durchgehend Klettern bis I gefragt. Aufgrund des anhaltenden Nebels, kann der Anstieg im unteren Teil sehr rutschig sein. Nebel und Wind sind dann auch die Hauptprobleme bei einer Besteigung.Der Weg ist durch Pfosten markiert, die aber recht weit auseinander stehen. Bei dichten Nebel dürfte es nicht schwierig sein, sich hier zu verlaufen. Aber man kann ja in jede Richtung runterlaufen und kommt dann zwangsläufig in Richtung Küste.
Weitere Infos
Roman Martin "Azoren", Rother Wanderführer, 7. Auflage 2024
Knapp über der Wolkendecke, hoch über dem Atlantik
Nun also der zweite Versuch am Pico, nachdem uns am Vortag wegen zu starken Windes abgeraten wurde. Da wir früh genug dran waren, also um 8 Uhr morgens, bekamen wir auch ohne vorhergehende Reservierung
die Erlaubnis für eine Besteigung. Es werden pro Tag immer ein paar Genehmigungen zurückbehalten, obligatorisch ist ja sonst, ein festen Zeitslot vorab zu reservieren.
Früh an der Küste war es wieder bewölkt und windig. Im Gegensatz zum Vortag hingen die Wolken aber tiefer und schon bei der Auffahrt zum Casa da Montanha auf ca. 1200m kamen wir durch die Wolken und
der Berg lag schön vor uns in der Sonne. Dafür war es aber wieder sehr windig und das blieb auch so den ganzen Tag.
Wir bekamen wie gesagt unsere Starterlaubnis, der Tipp vom Guide gestern, die Tour um einen Tag bei dann besseren Wetter zu verschieben, war also goldrichtig. Man bekommt bei der Registrierung einen
GPS-Tracker um das Handgelenk, man ist also jederzeit ortbar. Es hat auch einen SOS-Knopf, der dann auch sehr oft unabsichtlich gedrückt wird, wie uns bestättigt wurde.
Der Weg hoch geht dann ohne Kompromisse gleich in die Ideallinie, soll heißen, ist steil. Zum Glück aber alles feste, erstarrte Lava und nicht der lose Schutt, wie man es von anderen Vulkanen kennt.
So kommt man zügig hoch. Der Wind blieb garstig und böig. Da musste man aufpassen, nicht umgeblasen zu werden. Bald waren wir auch gänzlich über der Wolkendecke und hatten nun freien Blick auf den
Atlantik unter uns.
Schon recht weit oben quert der Weg nach Osten, so kamen wir zunächst aus dem Wind raus. Schließlich hat man den Kraterrand erreicht, der aber an der Ostseite kaum als solcher erkennbar ist. Hier fegte
der Wind dann in Orkanstärke über die Felsen. Näher beim Piquinho ging es dann zum Glück wieder. Der Kegel erhebt sich aus dem Krater wie ein Zuckerhut und bildet den höchsten Punkt der Azoren und damit
Portugals. Um dort hochzukommen, muss man etwas klettern, der Weg ist markiert. Der Hügel ist ein erstarrter Lavaklotz, also sehr solide und schön griffig.
Am Gipfel konnte man dann aufgrund des Windes kaum aufrecht stehen. Geduckt hinter einem Felsen ging es und durch die Sonne war es auch schön warm. Auf dem Piquinho darf man sich nur 20min aufhalten,
es hat nicht so viel Platz, hey und man wird ja getrackt. Wir waren für hiesige Verhältnisse um 11 Uhr früh dran und damit fast allein.
Unten ist man aufgrund des steilen Weges sehr schnell. Man marschiert dabei auch wieder durch die Klimazonen rückwärts, von Skandinavien Richtung Tropen im Zeitraffer. Vor der Insel Pico ist der
Atlantik übrigens 3500m tief. 3500m + 2351m, damit ist der Pico ganz schön hoch.
Stephan unterwegs mit Betty und Fabi am 20.06.2025
Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl
Kommentare zur Tour
(Kommentar hinzufügen)Derzeit keine Kommentare vorhanden
Kommentar hinzufügen
Hier könnt ihr Anmerkungen loswerden, welcher Art auch immer.
Regeln:
Bitte kein HTML verwenden (wird rausgefiltert). Ich behalte mir vor, Kommentare zu löschen, falls sie nicht zum Thema passen, oder sonstwie unsachgemäß sind.

