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Mehrtagestour im Rätikon mit Überschreitung des höchsten Gipfels in diesem Gebirge, der Schesaplana
| Fakten | |
|---|---|
| Ausgangspunkt: | Parkplatz Lünerseebahn (1570m) |
| 1. Tag, Südlicher Schafgafall, Lünersee: | 800Hm, 10.4km, 4h |
| 2. Tag, Schesaplana, Überschreitung: | 1150Hm, 11.8km, 7h |
| 3. Tag, Wildberg, Leibersteig: | +100Hm, -1700Hm, 12.6km, 6h |
| Markierung: | Durchwegs gut beschildert und markiert |
| Anforderung: | Anspruchsvoll wird es erst hinter der Schesaplana |
| Besonderheit: | Sehr abgelegene Region rund um die Mannheimer Hütte |
GPS - Gesamte Tour
Dynamische Kartenansicht (benötigt Javascript)SchesaplanaRunde.gpx (Download GPX-Datei)
GPS - Südlicher Schafgafall - Lünersee
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GPS - Douglasshütte - Schesaplana - Mannheimer Hütte
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GPS - Mannheimer Hütte - Wildberg - Leibersteig
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Ausgangspunkt
Parkplatz Lünerseebahn (1570m)Von Bludenz das Brandnertal und ganz am Ende der große Parkplatz bei der Lünerseebahn. Im Brandnertal verkehrt auch halbstündig ein Bus.
Stützpunkt
Douglasshütte (1979m) - www.douglasshuette.atMannheimer Hütte (2680m) - www.mannheimerhuette.co.at
Der Winterraum der Mannheimer Hütte findet sich in einem separaten Häuschen. Insgesamt haben 8 Leute Platz, angenehm bleibt es aber nur bis zu vier Personen. Es hat einen Holzofen und Holz, Betten mit Decken und Geschirr. Wasser muss man suchen, entweder als Schnee, oder unterhalb der Hütte hatte es viele versteckte kleine Tempel zwischen den Karstfelsen. Ein offenes Klo hatte es 2026 nicht.
Douglasshütte - Südlicher Schafgafall - Lünersee-Umrundung
Von der Talstation der Lünerseebahn führt rechts im Tal ein Weg hoch zum Lünersee. Ein Hindernis ist dabei der "Böse Tritt", eine plattige Steilstufe mit Wasserfall. Hier wurde der Weg freigesprengt und versichert. Oberhalb steht man auch schon am Lünersee und bei der Dammkrone findet sich die Douglasshütte. 1h bis hierher.Von der Hütte geht es über den Damm und dann in einigen Serpentinen aufwärts. Bei einer Kreuzung hält man sich links von folgt den Wegweiser zum Schafgafall. Es geht steil hoch. Man erreicht einen grasigen Sattel, die Gipfelflanke wird eher rechts überwunden, dann geht es links hoch zum Gipfel. 1h ab Hütte.
Zurück zur Wegkreuzung und von hier kann man den Lünersee umrunden. Die meisten Höhenmeter hat man dabei zuvor beim Aufstieg von der Hütte bereits gemacht. Die Umrundung dauert dabei vom beschriebenen Punkt nochmal so 1h.
Douglasshütte - Schesaplana - Schafköpfe - Brandner Gletscher - Mannheimer Hütte
Von der Douglasshütte rechts ein Viertel um den See herum, dann zweigt wiederum rechts der steile Anstieg zur Totalphütte ab. Hinter der Totalphütte wechselt man auf die rechte Seite im Kar und steigt entlang einer Felsmauer hoch bis knapp unter den Grenzsattel. In der Felsmauer zur rechten tut sich eine Lücke auf, zu der man hochsteigt und so in einen kleinen Kessel gelangt. Den Kessel geht man rechts ansteigend aus und gelangt so schließlich auf den Gipfelgrat und südlich davon in wenigen Minuten zum höchsten Punkt.Für den Weiterweg zur vom Gipfel schon gut sichtbaren Mannheimer Hütte geht es den Aufstiegsweg wieder zurück bis zu dem Punkt, wo man den Grat erreicht hat (Grenzschild). Hier nun rechts hinab und die Südflanke nach rechts queren. Man gelangt auf ein kleines Plateau. Weiter hält man sich nördlich in der Nähe des flachen Grats der zu den Schafköpfen führt. Hier wurde ein neuer Weg markiert, der 2026 noch wenig ausgeprägt war. Es hat ein paar kleinere Kraxelpassagen.
Hinter den Schafköpfen geht es schließlich mittelsteil über Schrofen und Gletscherschliff hinab zu den Resten des Brandner Gletschers. Hier muss man gut auf Markierungen und Stangen achten. Der Gletscher wird ziemlich weit oben überquert. Dann folgt ein Gegenanstieg hoch zur Mannheimer Hütte.
Mannheimer Hütte - Wildberg
Man folgt einfach den Grat nach Norden hinter der Mannheimer Hütte. Bis knapp unter dem Gipfel ist der Weg auch deutlich, klar und einfach. Kurz vor dem Gipfel versperrt ein Gendarm den Weg. Links in der Nordseite könnte man den Turm auf einem schmalen Band kurz umgehen, aber das Band ist wirklich äußerst brüchig, davon möchte ich abraten.Stattdessen quert man etwas rechts unterhalb des Turms zu einem Steinmann. Hinter dem Grätchen mit dem Steinmann gibt es mehrere splittrige Rinnen, keine schön, aber nicht sehr schwierig. So gelangt man wieder hoch zum Grat und der weitere Weg ist wieder logisch.
Rückweg entlang des Aufstieg.
Mannheimer Hütte - Leibersteig - Brand
Von der Mannheimer Hütte geht man an der Abbruchkante hinab zum tiefsten Punkt vor dem Panüelerkopf. Hier steht eine kleine Hütte. Nun nach Norden auf einem Band nach rechts queren, dann geht es steil hinab in die Nordflanke.Schließlich erreicht man die Geröllfelder mittig in der Nordwand unter dem Panüelerkopf. Man quert quasi durch die ganze Wand nach links mit wenig Höhenmeterverlust. Die Geröllfelder sind durch natürliche oder in den Fels gesprengte Bänder verbunden, alles gut versichert. Jenseitig muss man nochmals etwas absteigen und es steht eine weitere Querung an, wiederum auf gut versicherten Felsbändern.
Schließlich kann man über Schrofengelände in Richtung Oberzalimhütte absteigen und gelangt so in einfacheres Almgelände. Nun das ganze Tal hinaus, meist auf einer Schotterstraße. Am Ende kann rechts entlang des Palüdbachs direkter zur Palüdbahn absteigen. Hier gelangt man zur Straße, die Bushaltestelle ist direkt bei der Palütbahn oder links etwas unterhalb in Richtung Brand (die Haltestelle ist kurz vor der Palüdbahn auch ausgeschildert).
Charakter
Die erste Hälfte bis zur Schesaplana hoch vom Lünersee, das sind insgesamt unproblematische Wege. Aufgrund der Gipfelhöhe der Schesaplana können natürlich Schneefelder eine Rolle spielen, Grödel können dann helfen.Der Weg zur Mannheimer Hütte ist dann v.a. von der Orientierung her ein Problem, speziell der Weg hinab zum abschmelzenden Brandner Gletscher scheint sich öfters mal zu ändern. Der Gletscher selber hatte 2026 noch Spalten, die auch tief genug sind, aber die wird man meist gut erkennen.
Wer von oben in der Leibersteig hinab schaut, wird erst mal staunen, da geht ein Weg hinunter? Der Pfad durch die Wand ist demnach nix für Leute mit Höhenangst, wenn auch die schwierigen Stellen alle gut gesichert sind. Steinschlag ist ein Problem, deswegen vielleicht einen Helm mitnehmen, bei Gefahr von Vereisung in jedem Fall Grödel dabei haben.
Weitere Infos
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Was haben Schotten, Angler und schwindende Gletscher miteinander zu tun?
Das Brandnertal oberhalb von Bludenz liegt ja von München aus gesehen doch irgendwie hinter den Sieben Bergen. Dank Pfändertunnel und Autobahn bis Bludenz kommt man mittlerweile
aber doch ziemlich zügig dorthin. Rund um den Bodensee haben die Anwohner da mit Sicherheit eine ganz andere Sichtweise, da gehört das Rätikon schlicht zu den ganz nahen
Hausbergen.
Früh schon haben sich Touristen für diese Berge interessiert und so entstand 1871 die Lünerseehütte als eine der ersten Schutzhütten in den Ostalpen überhaupt. Großer Sponsor
war John Sholto Douglass, ein in Vorarlberg tätiger schottischer Industrieller, nach dem die Hütte hatte benannt ist. Die musste schon ein paar Mal umziehen, 1960 nach dem Bau
einer Staumauer fand sie ihren heutigen Platz nahe der Dammkrone.
Den Lünersee gab es dabei schon vorher. Der See ist u.a. auch für seinen Fischreichtum bekannt, weswegen man nicht schlecht staunt, wenn frühmorgens nicht Wanderer aus der ersten
Gondel gleich neben der Douglasshütte strömen, sondern Angler mit entsprechender Ausrüstung und Kühltaschen. Möglichst schnell versuchen sie dann alle den vermeintlich besten
Anglerplatz zu ergattern. Mal durchgerechnet, Parkplatz an der Seilbahn und die Fahrt mit derselbigen, das muss der Fisch einem schon wert sein, falls er den anbeißt. Aber mich
beschleicht der Verdacht, das geht auch günstiger.
Wir waren relativ spontan unterwegs, die paar Meter vom Parkplatz hoch zur Hütte hatten wir schnell erledigt, so ergab sich noch der Südliche Schafgafall, das ist der Berg gleich
östlich über der Hütte. Von dort ist man in einer Stunde oben, auch wenn das von unten wesentlich weiter aussieht. So konnten wir anschließend noch den See umrunden. Der leuchtet
so abartig schön türkisblau in der Sonne, man könnte süchtig danach werden.
Am nächsten Tag starteten wir von der Douglasshütte hoch zur Schesaplana. Der Weg ist dabei für so einen Berg überraschend einfach. Zwischen all den Felsgemäurern tut sich
überraschend eine Lücke auf, man gelangt in einen Kessel und von dort auf den Grat, der die Grenze zwischen Schweiz und Österreich bildet. Zwischendurch hatten uns zwei schnelle
Jungs mit übersichtlichen Gepäck überholt. Wir staunten nicht schlecht, dass in den 30l-Rucksäcken sich Gleitschirme mit Helm versteckten. Die Flugbedingungen waren aber
aufgrund fehlender Thermik nicht so gut. Einer schaffte es, wurde kurz hochgeweht, stürzte dann mehr als dass er flog sehr knapp über den Grenzkamm hinweg und dann in das Kar
dahinter hinein, außer Sichtweite. Wir hörten später keinen Heli, also ist er wohl sicher unten angekommen. Der Zweite packte im Angesicht dieses Schauspiels seinen Schirm
wieder weg und ging zu Fuß.
Von der Schesaplana oben sieht man viele Schweizer Berge, die man nicht kennt, aber in der Ferne, das muss die Bernina gewesen sein. Im Gipfelbereich speziell zur Schweizer
Seite hin ist der Berg ein Kieshaufen. Nach Norden hat er eine schöne Wand, aber die ist bestimmt auch nicht für festes Gestein berühmt. Wir wollten rüber zur Mannheimer Hütte,
die man auf einen Grat thronend schon gut sah. Nach einem Karstplateau führt ein Kamm entlang der Schafköpfe dort hinüber. Nordseitig liegt der Brandner Gletscher, mittlerweile
in zwei übersichtliche Teile zerfallen, aber es gibt ihn noch. Sogar mit Spalten. Man muss nur sehr weit hinabsteigen, dann den Gletscher überqueren und auf der Gegenseite wieder hoch.
Es gibt auf Youtube einen Überflug aus dem Jahre 2009, da konnte man quasi eben über den Gletscher rüber zur Hütte laufen. Wenn man das mit heute vergleicht, man weiß es ja,
der Klimawandel, aber es ist dann doch erschreckend, wie viel Eis in den paar Jahren von 2009 bis 2026 weggeschmolzen ist. Hier das Video:
Vorarlberg von oben: "Schesaplana und Mannheimer Hütte".
Am besten das Video mit dem folgenden Bild vergleichen.
Die Mannheimer Hütte hat auch eine interessante Geschichte, einst wurde sie als Straßburger Hütte von 1903-05 erbaut. Aber nach dem 1. Weltkrieg gehörte Straßburg nicht mehr
zu Deutschland und es waren andere Zeiten, die Sektion Mannheim übernahm. Die Hütte liegt ja auch heute noch wirklich sehr abgelegen, einen einfachen Zustieg gibt es nicht.
Damals vor hundert Jahren muss das wie eine Expedition gewesen sein und darum stellte man schon bei der Errichtung fest, man braucht eine Zwischenstation. So entstand die
Oberzalimhütte, wo heute die Materialseilbahn hoch zur Mannheimer Hütte führt. Beide Hütte trennen Luftlinie nur so ungefähr 2.5km aber halt auch 800 Höhenmeter. Die Mannheimer
steht an der Kante einer sehr steilen Nordwand. Die hat eine Schwachstelle, mehrere eingebetete Geröllfelder erstrecken sich auf halber Höhe durch die ganze Wand. Das war schon
vor dem Bau der Hütten ein Schmugglerpfad. Zur Versorung wurde der Weg schon vor dem Hüttenbau zum heutigen "Leibersteig" ausgebaut. Teilweise musste der Weg freigesprengt werden.
Er sollte für Mullis tauglich werden. Ob da aber jemals einer ein Maultier hochgetrieben hat? Ich glaube nicht, an vielen Stellen ist der Pfad doch recht eng und kraxeln muss man auch.
Schmugglerpfad, da kann der Zoll nicht weit sein und richtig, ein kleiner Bau oberhalb der Mannheimer Hütte diente als Zollwachhütte und ist erst seit ein paar Jahren der
Winterraum der Mannheimer. Gut ausgestattet übrigens, mit Herd, Holz und Bett. Wasser gibt es in Form von Schnee oder auf dem Karstflächen unter der Hütte finden sich immer wieder kleinere Tümpel.
Neuer Tag, neuer Gipfel, der Wildberg ist von der Mannheimer Hütte schnell erreicht und am Ende auch sehr spannend. Wir sahen viel Schnee in der Wand mit dem Leibersteig unter dem
Panüelerkopf. Aber der Profi hat natürlich Grödel dabei, das machte den Abstieg auf den teilweise vereisten Felsen doch deutlich entspannter. So querten wir durch die Riesenwand,
erreichten sicheren Grund und stiegen das sehr schöne Zalimtal ab. Unten fährt vorbildlich ein Bus halbstündig von Bludenz zur Lünerseebahn, so schloss sich für uns die Runde.
Stephan unterwegs mit Betty vom 15.- 17.10.2026
Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl
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