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Diese Tour ist Teil eines größeres Projekts:
Übersicht "Fortgesetzt durch die Alpen"
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Vom Alpenrand vorbei am Sylvensteinsee in die Berge
| Fakten | |
|---|---|
| Ausgangspunkt: | Bad Tölz (650m) |
| Höhenmeter: | |
| Zeit / Strecke: | 60 km |
| Route: | Radwege entlang der Isar |
| Anforderung: | Zum Großteil Radwege und Straßen |
| Endpunkt: | Mittenwald (923m) |
GPS
Dynamische Kartenansicht (benötigt Javascript)2019-09-28 BadToelz-Isar-Mittenwald.gpx (Download GPX-Datei)
Ausgangspunkt
Bad Tölz (650m)
Einkehr
Gar nicht so viel, wie man vielleicht denkt. Am einfachsten in Vorderriß.
Wegschreibung
Beginnend von Bad Tölz ist der Isar-Radweg gut ausgeschildert. Zunächst geht es flussaufwärts gesehen auf der rechten Seite durch eine eigentümliche Waldlandschaft, wie man sie eher in Skandinavien erwarten würde. Bei Lenggries wechselt man die Flussseite und man ist zunächst gezwungen, entlang der B13 zu radeln.Kurz vor dem Staudamm des Sylvensteinsees wurde ein steiler Weg zur Versorgung und für Fahrradfahrer in die Felswand geschlagen, die "Aquila", ein Highlight dieser Etappe. Ebenso wie die nachfolgende Fahrt entlang des Sees. Der "offizielle" Radweg bleibt an der Straße, jedoch kann man nach der Ortschaft Fall bis zur Geschiebesperre am Beginn des Stausees auch direkt am Ufer entlangradeln.
Bei Vorderriß benützt man eine Mautstraße bis Wallgau, diese ist aufgrund von Ausflugsverkehr leider trotzdem stark befahren. Die Isar gibt sich in diesem Bereich sehr ursprünglich. Ab Wallgau ist man nun wirklich mitten im Gebirge und kann es bis Mittenwald entlang der eindrucksvollen Karwendelkette gemütlich angehen lassen. Von Mittenwald gibt es gute Zugverbindungen nach München oder Innsbruck.
Charakter
Zum Großteil Radwege und Straßen, keine größeren steilen Anstiege.
Weitere Infos
-
Begleitende Touren zu dieser Etappe
Geierstein (1491m): Recht zackiger Felsgipfel gleich über Lenggries, umfassende Aussicht Richtung Bad Tölz und AlpenvorlandGrasköpfl (1753m), von Norden: Aussichtskanzel zwischen Fall und Vorderriß, mit schönen Blick auf den Isarwinkel
Hoher Kranzberg (1391m), von Norden: Wer sich für die Römer in Bayern, und die Via Raetia interessiert, in Klais kann man Reste der Römerstrasse besichtigen.
Sylvensteinsee
Von Tölz führt der Isar-Radweg am westlichen Ufer weiter flussaufwärts. In den weiten Schotterebenen im Isar-Tal hat sich eine ganz eigene
Vegetation gebildet. Der Kiesboden dürfte eher karg sein und die Wälder entlang der Isar muten auch eher skandinavisch-karg an oder auch wie in
den Hochlagen des Bayerischen Waldes. Es macht jedenfalls sehr viel Spaß dort durchzuradeln und ist somit auch eines der Highlights auf dem Weg
nach Mittenwald.
Nach 11 Kilometer quert man bei Lenggries die Isarbrücke, dann ist es mit dem Spaß erst mal vorbei. Man radelt nun direkt entlang der
vielbefahrenen B13. Das bei dem vielen Verkehr die Alpenbewohner mittlerweile rebellieren, kann man gut nachvollziehen. Für Radfahrer wurde kurz
hinter Fleck ein eigener Weg geschaffen, um auf die Dammkrone des Sylvensteinsees zu gelangen. Steil und luftig wurde ein Band in die Felswand
geschlagen, am Ende wartet ein Tunnel, bevor man schließlich auf dem Damm steht und den Blick über den Stausee schweifen lassen kann. Für die
Talsperre nutzte man eine natürliche Engstelle. Die Isar wurde von markanten Felswänden eingegrenzt, dem Hennenköpfl und der Sylvensteinwand.
Vom letzteren hat der Speichersee offensichtlich auch seinen Namen.
Dann steht man auf dem Staudamm, umgeben von vielen Touristengruppen. Auch chinesische Reisegruppen legen auf ihrer 10-Tage-durch-Europa-Tour
hier einen Stopp ein. Nun, man kann es verstehen, der Speichersee ist schon sehr gelungen, wenn man das mal so sagen darf. Aber warum gibt es den
überhaupt? Strom? Trinkwasser? Hochwasserschutz?
Weit gefehlt, es ist ein Speicher zur "Niedrigwasseraufbesserung". Ein herrlich deutsches Wort. Als man in den Jahren 1918 - 1924 das
Walchensee-Kraftwerk bei Kochel baute, musste bei Krün ein Teil des Isarwassers umgeleitet werden. Das natürliche Einzugsgebiet des Walchensees
bezüglich Wassernachschub wäre sonst zu klein gewesen, um das Kraftwerk, welches über Rohre vom Walchensee zum tiefergelegenen Kochelsee arbeitet,
vernünftig dauerhaft betreiben zu können. Folge war, dass man bei Wasserknappheit in Bad Tölz sprichtwörtlich auf den Trockenen saß, weil das
gesamte Isarwasser über den Walchen- und Kochelsee zur Loisach umgeleitet wurde. Das hatte natürlich vielfältige Folgen, weswegen man beschloss,
über einen Speichersee der Isar ständig genügend Wasser zur Verfügung zu stellen. So wurde also der Sylvensteinsee erdacht und gebaut. Nebenbei,
durch die Umleitung hatte nun die Loisach zu viel Wasser. Um Wolfratshausen vor Hochwasser zu schützen, musste nun ein weiterer Kanal gebaut
werden, der vor der Stadt Wasser von der Loisach wieder zurück zur Isar führt.
Ich radele weiter. Direkt vor der Faller-Klamm-Brücke überholt mich ein Porsche-Geschwader. Lauter Oldtimer, die sind ja vergleichsweise noch
recht hübsch anzuschauen, im Gegensatz zu ihren degenerierten Nachkommen, aber dieser Lärm. Motorisiertes Brunftgeschrei stand dazu mal in der
Süddeutschen. Na, da sind sie ja hier genau richtig, im Jagdrevier der Wittelsbacher.
Ich radele über die Brücke. Hier war einst die Faller Klamm, eine vor allem bei den Isarflössern einst berüchtigte Engstelle. Davor war die
Ortschaft Fall. Klamm und Fall sind nun im See versunken. Wobei die Ortschaft platt gemacht und einfach verlegt wurde. Davon ahnt man heute nicht
mehr viel, man geniesst einfach die schöne Aussicht auf den See, eingerahmt von bewaldeten Bergen.
Das "neue" Fall schaue ich mir nicht weiter an und radele gleich weiter. Der offizielle Radweg bleibt auf der Bundesstraße, welche dank
Ausflugsverkehr sehr belebt ist. Mir ist das zu langweilig und ich versuche es direkt am Seeufer. Hier lässt es sich gut radeln, ein Schotterweg
führt am Ufer entlang und es ist viel ruhiger als oben an der Straße. Auffällig sind die vielen durchnummerierten Ruderboote im See. Ein Freund
hat mich aufgeklärt, wer das Glück hat einen Fischereischein für den Sylvensteinsee zu ergattern, darf auch ein Boot zu Wasser bringen.
Der "Uferradweg" endet an der Geschiebesperre, wo die Isar in den Speichersee fließt. Die Sperre dient dazu, das viele Gestein aufzuhalten,
ansonsten würde sich der See langsam aber unweigerlich im Laufe der Zeit wieder füllen. Ich muss nun zurück auf die Bundesstraße, aber nur kurz
bis Vorderriß. Hier rentiert es sich tatsächlich, sich ein wenig die Häuser anzusehen. Ein durchaus geschichtsträchtiger Ort, die Wittelsbacher
pflegten hier wie schon erwähnt zur Jagd zu schreiten, oder wie auch immer man das waidmannsgerecht ausdrückt. Der bekannte Schriftsteller Ludwig
Thoma war ein Sohn des Oberförsters und verbrachte seine ersten sechs Lebensjahre in Vorderriß.
Man erreicht hier das Rißtal. Über Hinterriß gelangt man zum Ahornboden und die Eng. Eine österreichische Enklave, welche nur über Bayern eine
Straßenanbindung an. Ein wunderschönes Alpental, weswegen sich die Eng an schönen Tagen zu einem Großparkplatz verwandelt. Bei Vorderriß mündet
der Rißbach in die Isar. An der Mündung zur Isar wird man ihn aber gar nicht entdecken, das Wasser wird hier über den Rißbachstollen zum
Walchensee abgeleitet.
Auf dem weiteren Weg bis Wallgau fließt die Isar scheinbar unberüht und unbegradigt durch ein schönes Tal zwischen den Bergen. Hier führt eine
Mautstraße hindurch, als Radler zahlt man allerdings nix. Die Straße ist trotzdem recht belebt, beinahe ausschließlich Ausflugsverkehr.
Bei Wallgau folge ich direkt dem Lauf der Isar und lande in Krün. Nordwärts das Tal wird die Isar zum Walchensee abgeleitet, südwärts geht es
weiter gen Isar-Ursprung. Davor liegt Mittenwald zu Füssen des Karwendels, das hier mit mächtigen Felsabbrüchen gen Himmel ragt. Mittenwald war
früher aufgrund des Holzreichtums in der Umgebung das Zentrum der Isar-Flösserei. Heute regiert v.a. der Tourismus, aber auch der Geigenbau hat
in dem Ort eine lange Tradition und auch noch die Gebirgsjäger der Bundeswehr. Das riesige Kasernengelände prägt auch das Antlitz der Stadt.
Für mich endet die Reise zunächst hier. Zum Isar-Ursprung wäre es nicht mehr weit, aber das will ich an einem anderen Tag in Ruhe genießen.
Mittenwald liegt an der Eisenbahnstrecke zwischen Innsbruck und München und ist von daher mit dem Zug recht einfach zu erreichen und man kommt
auch schnell wieder weg.
Literatur:
Wasserwirtschaftsamt Weilheim, "Der Sylvensteinspeicher", Juli 2009
sehr informative Broschüre, liegt direkt am Damm aus (wenn man Glück hat)
Stephan unterwegs am 28.09.2019
Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl
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