Stephan Rankl
Zugspitz? Grodaus!
Die großen Wettersteingrate und andere kleine Abenteuer
Inhaltsverzeichnis
Vorgeplänkel
Da steht man nun also in Garmisch und schaut auf diese riesige Felswand.
„Wo ist denn hier die Zugspitze?“
„Zugspitz? Imma grodaus!“
So lautet die allgemein übliche bayerische Wegangabe. Universell gültig, immer anwendbar. Aber doch irgendwie nutzlos.
Dabei steht sie doch tatsächlich direkt vor einem, die Zugspitze, der höchste Berg Deutschlands. Ein Superlativ das wirkt. Viele wollen hoch und es gibt zahlreiche Möglichkeiten hierfür.
Unbedingt anstrengen muss man sich dabei nicht. Interessant wäre zum Beispiel, wie viele Schritte noch notwendig sind, um bei Ausnutzung sämtlicher technischer Hilfsmittel vom Münchner
Hauptbahnhof bis zum Gipfel der Zugspitze zu gelangen. Viele dürften es nicht sein. Ich habe es selbst noch nicht probiert, denn trotz ausgiebiger Erschließung finden sich im Wetterstein eben
immer noch die etwas abenteuerlicheren Strecken. Da wäre der Jubiläumsgrat, Pflichtprogramm für viele Bergsteiger oder im Gegensatz dazu der Wettersteingrat, welcher nur einen Bruchteil an
Begehungen erhält.
Dieses Buch soll sich nun in erster Linie genau diesen Touren widmen, Gratbegehungen im Wetterstein. Für mich einige meiner eindrucksvollsten alpinen Bergtouren im Tourenbuch. Sei es aufgrund der
besonderen landschaftlichen Schönheit, der Ausgesetztheit über Kilometer hinweg oder den besonderen Reizen und Erfahrungen, die beispielsweise Solo-Unternehmungen an solchen Graten mit sich
bringen. Jede der hier vorgestellten Touren blieb mir als besonders im Gedächtnis haften.
Der Jubiläumsgrat, kurz „Jubigrat“ genannt, von Zugspitze zur Alpspitze, gilt dabei als Standard und ist dementsprechend gut beschrieben. Für die Nachbarn wie eben den Wettersteingrat schaut es
da schon dünner aus. Berichte über aktuelle Begehungen findet man dabei am ehesten noch im Internet. Dem hoffe ich nun, durch dieses Buch etwas Abhilfe leisten zu können.
Es ist das Schöne an der Unternehmung „Wettersteingrate“, man muss dabei nicht um die halbe Welt reisen. Das Gebirge liegt direkt vor der Haustür Münchens und ist wie bereits erwähnt, bestens
erschlossen, die Zugspitze gar übererschlossen. Doch nur wenige Schritte unterhalb des Gipfelkreuzes der Zugspitze beginnt die Hochgebirgswildnis in Sichtweite zur Großstadt München. Am
Eindrucksvollsten ist es natürlich, die vorgestellten Touren komplett vom Tal aus anzugehen, weswegen ich auch einige der vielfältigen Zustiegsmöglichkeiten beschreibe.
Die Art der vorgestellten Touren, vielmehr Klettereien, erfordert den erfahrenen und kompletten Bergsteiger. Schon der Jubigrat ist kein reiner Klettersteig mehr und gewisse Kletterfertigkeiten
sind gefragt, um die Sache genießen zu können. Die Schwierigkeit steigt dementsprechend bei dem weit weniger erschlossenen Blassengrat, Wettersteingrat oder der Überschreitung des
Waxensteinkamms.
Ein besonderes persönliches Anliegen war es mir, im Rahmen der Recherche zu diesem Buch, auch etwas über die (technische) Erschließungsgeschichte zu erfahren und hier wiederzugeben.
Nun wünsche ich viel Freude beim Schmökern und Tourenplanen und hoffe, dass viele Nachfolger ebenso schöne Touren im Wetterstein erleben dürfen, wie sie mir vergönnt waren. Inklusive der
zufriedenen und vor allem gesunden Rückkehr ins Tal.
Gilching 2019, weit geflogen, aber immer noch da, Stephan Rankl
Übersichtskarte
Gut informiert in die Berge
Wo geht's lang?
Fährt man von München Richtung Garmisch-Partenkirchen, so steht es bald wie eine unüberwindbare Felsmauer vor einem, das Wettersteinmassiv. Die Zugspitze ist dabei mit den
vielen Aufbauten im Gipfelbereich leicht zu erkennen. 2200 Meter erhebt sie sich über die Orte zu ihren Füßen. Wenn man die Kammlinie vom höchsten Punkt aus nun von rechts
nach links verfolgt, nach Osten, so landet man bei der unverkennbaren Felspyramide der Alpspitze, dem Wahrzeichen von Garmisch-Partenkirchen, wenn man so will. Eben diese
Verbindung von Zug- zur Alpspitze wird als „Jubiläumsgrat“ bezeichnet.
Für weitere geographische Recherchen ist es nun hilfreich, die Karte zur Hand zu nehmen. Ein Blick darauf verrät, ausgehend vom Zugspitzgipfel verlaufen mehr oder weniger
in West-Ost-Richtung insgesamt drei Kämme. Wer bis jetzt noch nicht geahnt hat, um was es in diesem Buch eigentlich gehen soll, es sind genau diese Felsgrate. Zwischen diesen
großen Graten sind zwei Täler eingelagert, Reintal und Höllental, welche die einfachsten Zugänge in höhere Regionen vermitteln.
Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl


