05.08.2026: München - Kapitalisten-Spiel
Für den Flug nach Indien mit der Lufthansa konnten wir erst spätabends den mittlerweile obligatorischen Online-Checkin machen und landeten dann prompt auf der Warteliste. Das muss man dann auch erstmal verstehen, die Airline hatte den Flieger überbucht, also zuviele Tickets verkauft.Schon ein mieses Spiel, was da die Lufthansa mit uns spielte. Wenn man für insgesamt über 3000,- Euro Tickets gekauft hat, besteht doch die berechtigte Erwartung, dann mit dem gebuchten Flieger auch mitkommen zu dürfen. Bei Überbuchung läuft es dann so, dass man erst kurz vor knapp am Gate noch erfährt, ob man nun einsteigen darf oder nicht.
Wir machten also alles so wie immer und fuhren erstmal zum Flughafen. Wir bekamen schnell mit, dass offensichtlich noch viele Plätze in der ersten Klasse und im Premium Economy frei waren. Gleichzeitig dann die Durchsage, Upgrades wären nun günstig zu haben. Ich ahnte, welches Spiel gespielt wurde ... und spielte mit.
Gleich am Anfang des Urlaubs hatte ich keinen Bock auf Streß, also legte ich nochmal insgesamt 900,- Euro für ein Upgrade für uns vier hin. Schwupps, 20 Sekunden später bekam ich die Meldung auf das Handy, unser Gepäck ist nun eingecheckt.
Wir fliegen mit einem A380. Schon ein Erlebnis und das Upgrade auf Premium Economy verschafft einem ein Flugerlebnis, wie es vor 20 Jahren noch Standard war. Essen ohne Ende und was zu Trinken jederzeit und die Beinfreiheit ist auch angemessen. Nur bei Betty ging das Inboard-Entertainment auch trotz Upgrade nicht.
Wir kamen um Mitternacht in Delhi an. Insgesamt musste man vorab online drei verschiedene Dokumente zur Einreise ausfüllen, Selbsterklärung hinsichtlich gerade kursierender Krankheiten, eine Einreisekarte und ein E-Visum. Das wurde nun der Reihe nach von Beamten abgefragt. Es klappte alles problemlos. Die unzähligen Stunden vorab, um das alles auszufüllen, warenn also nicht verschwendet gewesen. Auch der Taxifahrer vom Hotel stand wie versprochen schon da und wir wurden gefühlt wie in einem Mario-Kart-Spiel in die Stadt gebracht. Delhi ist auch mitten in der Nacht noch sehr schwül. Die Straßen waren leer, unser Fahrer hupte aber trotzdem ständig. Reine Gewohnheitssache vermute ich.
06.08.2026: Delhi (220m) - Touri-Nepp
Vormittags regnete es ziemlich stark. August ist Monsun-Zeit in Indien, es ist schwülwarm. Der Regen an sich warm, aber wenn es schüttet geht man doch lieber in Deckung.Wie immer am Anfang einer solchen Reise, speziell nach Asien, muss man sich an das Touri-Dasein erst wieder gewöhnen. Egal in welcher großen Stadt man auf der Welt ankommt, man kennt sich nicht aus und ist daher am Anfang ein leichtes Opfer für alle möglichen Abzocker. Da muss man durch. Irgendwann hat man dann eine ungefähre Vorstellung vom örtlichen Preisniveau und ist eingenordet, bis dahin muss man Lehrgeld bezahlen. In Delhi sind für das Abkassieren die TukTuk-Fahrer zuständig. Man muss den Preis immer ausmachen, bevor man einsteigt, das lernt man schnell. An sich müsste man auch knallhart verhandeln, aber darauf hat man nicht immer Lust.
Zentraler Anlaufpunkt in (Neu-)Delhi ist der Connaught-Platz. Ein übersichtlich geräumiger Platz mit Ringstraßen, der auch in Europa sein könnte. Es schüttete gerade wieder merklich. Auf der Straße wurden wir dann scheinbar zufällig von einem indischen Passanten angesprochen. Alles hat zu und man wird in bestimmte Malls gelotst, wo es für die Schlepper dann gegebenenfalls Provision gibt. Das es so läuft, war uns schon klar. Dieses eine Mal ließen wir es geschehen, es regnete und wir wollten ins Trockene. Die Mall war aber doch nur ein größerer Souvenir-Shop. Eine Enttäuschung für beide Seiten. Wir kauften nix.
Wir gingen zurück zum Connaught-Platz. Kaum hatten wir Schirme gekauft, hörte es zu regnen auf. Das ist also der Trick. Den Rest des Tages sollte es trocken bleiben. In einem Café checkten wir die Lage und entschieden uns, mit der Metro zum Lotus-Tempel zu fahren. Die Metro in Delhi funktioniert super, ein richtig angenehmes (klimatisiertes) Verkehrsmittel, welches wir noch oft benützen sollten. Nur ein Ticket zu bekommen ist nicht ganz einfach. Dazu später noch mehr.
Das Gebäude des Lotus-Tempels ist der gleichnamigen Blume nachempfunden. Es dient den Anhängern der "Baháʼí"-Religion als Gotteshaus. Auch deren Anhänger warten auf die
Rückkehr eines Propheten, alles wirkte auf mich aber ziemlich sektiererisch. Sei's drum. Wir und insbesondere Jana waren ein begehrtes Foto-Motiv bei indischen Touristen.
Nach der Metro entdeckten wir mit dem Bus noch ein weiteres hervorragendes öffentliches Verkehrsmittel in Delhi. Das Bussystem ist super ausgebaut und es fahren sehr viele, man
muss nicht lange warten. Allerdings ohne die Hilfe von Google-Maps könnte man es als Auswärtiger nicht nutzen. Die Haltestellen sind als solche noch erkennbar, aber es
stehen nur die Buslinien angeschrieben, keine Fahrpläne. In jedem Bus ist ein Schaffner an Bord, bei dem man bezahlt. Durchwegs sehr hilfsbereite Menschen. Für unglaublich
wenige Rupies kann man dann durch die ganze Stadt fahren und Frauen zahlen gar nix.
Unser nächstes Ziel war Qutb Minar, ein 72m hoher Turm aus dem 12. Jahrhundert islamischen Ursprungs, mit den Resten einer Moschee zu seinen Füßen.
Jana und auch wir als Familie waren wieder äußerst begehrte Foto-Motive. In Delhi sind auch viele indische Touristen aus anderen Bundesstaaten unterwegs, die sonst nie Europäer zu Gesicht bekommen. Jedenfalls wurde es uns so erklärt, warum alle ein Foto von uns haben wollten. Deutschland scheint auf Inder auch generell noch eine große Anziehungskraft zu haben. Viele meinten, da würden sie gerne mal hin.
07.08.2026: Delhi (220m) - Regentag
Heute schüttete es von der Früh weg und das blieb den ganzen Tag so. Auch waren wir von der Früh weg in "Verkaufsgespräche" verwickelt. Furchtbar viele Leute wollten uns irgendwas andrehen. Man stumpft dabei sehr schnell ab.Nach den guten Erfahrungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln am Vortag gingen wir gleich zur Metro und ließen uns erst gar nicht auf die TukTuk-Mafia ein. Ein Tagesticket zu ergattern ist dabei durchaus umständlich, man braucht eine aufladbare Karte, jemand muss die Karte mit einem "Tourist-Ticket" aufladen und das Geld muss auch noch kassiert werden. Dafür ist immer jeweils jemand anderes zuständig.
Im wesentlichen bestand das Tagesprogramm aus dem Nationalmuseum. Das ist nicht so groß, wie man meinen möchte. Vor dem Museum laufen einem dann scheinbar zufällig Leute über den Weg, die einem dann versichern, das Museum hätte bis x Uhr zu, aber sie wüßten einen guten Ort, wo man warten könnte. Alles klar. An alle Indien-Reisenden, wenn ein Gespräch mit "Where are you from?" und "I don't want to sell you anything" anfängt, umdrehen und wortlos das Weite suchen.
Zurück im Hotel lernten wir noch die Eigentümer, Vater (Chef) und Sohn (Chef "unseren" Hotelablegers) kennen. An sich recht nett, aber leider dauerte das alles recht lange, so dass wir etwas spät vom Hotel wegkamen. Wir wollten zum Busbahnhof. Wir hatten einen Bus nach Manali um 20 Uhr vorab per Internet gebucht. Ich hatte schon geahnt, der abendliche Berufsverkehr in Delhi wird ganz ordentlich sein. So war es dann auch. Zudem waren einige Straßenabschnitte aufgrund des anhaltenden Regens bis zu einen halben Meter unter Wasser.
Wir hatten einen "Semi-Slepper" gebucht, die haben dann so halb umklappbare Sitze. Semi-komfortabel für die Nacht würde ich mal sagen. Es gäbe auch Busse, wo man sich in einzelnen Kojen ausstrecken könnte. Was da bei einem Unfall passiert, möchte ich lieber nicht wissen, aber diese Busse waren online von daheim eh nicht buchbar. Dazu müsste man jemand vor Ort beauftragen. Sollte vom Hotel seiner Wahl organisierbar sein.
Weiter nach Manali
Alle Texte und Bilder so nicht anders vermerkt von Stephan Rankl

