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PIz Palü, Ostpfeiler
Tour 260 3901 m Piz Palü, Ostpfeiler + Überschreitung Bernina Hochtour D- 16.06.06    
Tour 261 3207 m Munt Pers Bernina Wandern L 17.06.06    

www.sirdar.de

Ausgangspunkt:

Talstation Diavolezza-Bahn (2093m)

Anfahrt von München:

München - Garmisch - Fernpass - Landeck - Richtung St. Moritz - Pontresina - Richtung Bernina-Pass - Talstation Diavolezza. 4.5h.

Stützpunkt:

Berghaus Diavolezza (2973m)
Tel.: CH - (0)81/8426205
Zustieg: Von der Talstation der Diavolezza auf bezeichnetem Weg zur Hütte. Ca. 2.5h.

Route:

Piz Palü, Ostpfeiler + Überschreitung
(Ostpfeiler: M. von Kuffner, M. Schocher, A. Burgener 22.08.1899)
1. Etappe: Fuorcla Trovat
Höhenmetersparend geht man im Sommer nicht direkt vom Berghaus auf den Vadret Pers hinunter, sondern zunächst zur Bergstation des kleinen Sesselliftes nördlich der Hütte. Von hier in die Scharte vor dem Piz Trovat und in dessen Ostflanke auf Steigspuren (auf und ab, brüchig) zur Fuorcla Trovat. Ca. 0.5h.
2. Etappe: Pfeilereinstieg
Man betritt nun den Gletscher und folgt der Normalwegtrasse am Fuße des Piz Cambrena entlang zum Eisbruch. Die Verhältnisse wechseln hier sehr schnell. Meist verläuft die Spur eher von links nach rechts. Oberhalb des Eisbruches quert man nun entweder sofort nach rechts (westlich) zum Pfeilereinstieg auf gleicher Höhe, oder etwas weniger spaltengefährlich folgt man dem Normalweg noch über den nächsten Gletscherbuckel hinweg und steigt dann zum Pfeiler hinab. Zwischen Spalten kann man nun direkt zum Einstieg queren. Ziel ist eine deutliche Abflachung im Gratverlauf. Ca. 1.5h.
3. Etappe: Ostpfeiler
Man klettert nun direkt zum Grat hoch (ca. 30Hm, alte Haken, IV-). Nun ist der Weg durch den Grat deutlich vorgezeichnet. Man bleibt immer auf der Gratschneide. Ein Steilaufschwung kann schwierig direkt überwunden oder leichter links umgangen werden. Schwierigkeiten II-III (Stellen, vielfach leichter). Steilaufschwung ???.
Im oberen Drittel läuft der Felsteil in einen nicht sehr steilen Firngrat aus. Maximale Steigung etwa 45° direkt am Ausstieg. Ca. 4-5h.
4. Etappe: Überschreitung Ost-West
Vom Ostgipfel dem deutlichen Gratverlauf zum Hauptgipfel und weiter zum Westgipfel folgen. Vom Westgipfel nicht sehr schwieriger Felsgrat hinab zur Fuorcla Bellavista. Der Grat zwischen den Gipfeln ist stellenweise sehr luftig. Ca. 1.5h.
5. Etappe: Abstieg Fortezza-Grat
Von der Fuorcla Bellavista wenige Meter zur Bellavista-Terrasse aufsteigen. Nun in direkter Linie am Grat entlang nach Norden absteigen. Der Felsteil im Mittelteil wird durch eine deutlich markierte Abseilpiste überwunden. Der zweite Felsteil wird leicht direkt überklettert. Man erreicht die Isla Persa. Hier mehrere Varianten um zum Vadret Pers zu gelangen. Ca. 2h.
6. Etappe: Überquerung Vadret Pers
Eher westlich haltend zum jenseitigen Ufer, danach auf Steigspuren wieder zur Diavolezza-Hütte aufsteigen. Ca. 1h.

Charakter: Fällt schwer für so eine lange Tour, alle Gefahren aufzuzählen. Um es kurz zu machen, alles dabei. Der Eisbruch am Normalweg zum Piz Palü schwankt von leicht bis unmöglich, je nach Verhältnissen. Der Ostpfeiler selber ist nicht sehr schwierig und schöne Genusskletterei. Genügend Bandschlingen, Klemmkeile und Friends mitführen. Überschreitung, hier können Wächten für Nervenkitzel sorgen. Beim Abstieg über den Fortezza-Grat hat man oben auf Spalten zu achten. Und schließlich kann man sich bei der Überquerung des Vadret Pers auch noch im Spaltenlabyrinth verirren.

Gesamte Runde, von der Diavolezza aus gesehen.

Munt Pers, Überschreitung
Hüttenberg der Diavolezza. Leichter Weg vom Berghaus zum Gipfel, in einer Stunde zu bewältigen.
Wer noch verschärftes Training mit Wegsuche im Schottergelände braucht, bitteschön ... Vom Gipfel den Gratrücken nach Norden folgen. Meist immer am Grat entlang bis zu einer Scharte, wo man je nach Belieben durch eine Schotterrinne entweder westlich nach Morteratsch oder östlich zum Diavolezza-Hüttenaufstieg hinunter stolpern kann. Das ganze ist nicht schwerer als II, aber sehr brüchig.

GPS:

Talstation Diavolezza-Bahn (2093m): N 46.44195° E 9.98213°
Berghaus Diavolezza (2973m): N 46.41195° E 9.96500°
Fuorcla Trovat (2984m): N 46.40254° E 9.97351°
Piz Palü Ostgipfel (3882m): N 46.37886° E 9.96463°
Piz Palü Hauptgipfel (3901m): N 46.37820° E 9.95883°
Munt Pers (3207m): N 46.42141° E 9.95357°

Karte:

Landeskarte der Schweiz Nr. 1277 "Piz Bernina", 1:25000

Führer:

E. Schmitt, W. Pusch "Hochtouren Ostalpen", Bergverlag Rother

Link:

-

 

 

Titel: Zu Ende gebracht ...
Bergspezln: Woife

Schaut guad aus

Piz Palü, 2. Versuch (Erste Anreise, siehe hier). 19 Stunden benötigten wir für die ganze Runde über den Ostpfeiler, Überschreitung und Fortezza-Grat. Deutlich zu lang. Hatte seine Ursachen.
Die Diavolezza hat eine nun wirklich sehr grandiose Lage. Die Rundschau reicht über den ganzen Morteratsch-Kessel und die alpinen Klassiker reihen sich aneinander. Da die Seilbahn den Betrieb noch nicht aufgenommen hatte, herrschte eine ruhige, beschauliche Stimmung auf der Hütte. Wer etwas Luxus braucht, kann sich auf der Sonnenterrasse für 20 Franken ein Sprudelbad anschmeissen lassen und bei Schampus die Aussicht geniessen. Schon etwas dekadent.
Wir machten uns um halb drei auf die Socken. Die erste Teiletappe ist zunächst mal eine Schottertour. Dennoch schlängelt sich der Steig geschickt um den Piz Trovat herum und man erreicht quasi ohne Höhenverlust den Vadret Pers. Dort wartet bald die erste schwierige Passage, der Eisbruch am Normalweg zum Piz Palü. Dauerte auch nicht lange und der Woife hing ein Stockwerk tiefer. Eine Schneebrücke hielt dem Gewicht nicht stand und verabschiedete sich in Richtung Spaltengrund. Vom Woife guckte nur noch der Kopf heraus, unter im nichts als Luft. Dennoch bekam ich hinter ihm gehend nicht das Geringste von dem Sturz mit. Das Seil hatte sich wohl bei dem weichen Schnee gleich zwischen Woife und Spaltenrand eingeklemmt. So konnte er sich also relativ leicht aus seiner misslichen Lage befreien und wir unseren Weg fortsetzen.
Wenig später war eine riesige Kluft nur durch eine hier installierte Holzbrücke zu überqueren, sonst wäre hier schon Schluss gewesen. Die schwierigste Stelle am gesamten Ostpfeiler ist der Übergang vom Gletscher zum Grat. Man klettert kurz die plattige Flanke zum Gratfirst hoch.
Tja, nun beginnt eine schöne und eindrucksvolle Genusskletterei immer am Grat entlang. Das ganze relativ sorgenfrei, da es nur stellenweise einen IIIer hat und genügend natürliche Sicherungsmöglichkeiten vorhanden sind. Links und rechts kleben eindrucksvolle Hängegletscher zwischen den Felspfeilern. Das Geräusch von stürzenden Eismassen scheint einem den ganzen Tag zu begleiten. Bald steht man vor einem Steilaufschwung und hat die Wahl zwischen schwierig direkt oder leicht links. Wir, besser gesagt ich, wollte die sportliche Variante. Die vorhanden Haken halfen mir dann, die glatten Blöcke zu überwinden. Welcher Schwierigkeitsgrad? Keine Ahnung, Platten sind generell nicht mein Ding ...
Danach legt sich der Grat zurück und es geht über Blöcke zum Firnteil. Den erwischten wir mit gutem Firn. Ist nicht allzu steil und die Wächten am Gipfelgrat existieren auch schon länger nicht mehr. Kein Problem also.
Nächste Etappe, Überschreitung. Luftig wandert man dabei über den Gipfelgrat, der sich uns mit viel Schnee präsentierte, aber weitgehend wächtenfrei. Vom Westgipfel zur Fuorcla Bellavista wird es felsig, vom Schwierigkeitsgrad aber kein Problem. Wir gingen dennoch am Seil, was uns jede Menge Zeit kostete. Der uns schon bekannte Fortezzagrat sorgte oben wieder mit einigen Spalten für Spannung. Ansonsten war der Tag schon sehr weit fortgeschritten und wir stapften nun mit weniger Sinn für die Umgebung unserem Ziel entgegen. Letztes Hindernis, der Vadret Pers. Der war gerade am Ausapern. Problem dabei, man sieht die Spalten noch nicht und gleichzeitig halten die Brücken über diese nichts mehr aus. So drehten wir einige Ehrenrunden um uns einen Weg über den Gletscher zu sondieren. Lästig der Gegenanstieg zur Hütte und um 21.30 Uhr standen wir wieder auf der Terrasse.

Der Munt Pers steht gleich hinter der Diavolezza und ist leicht von dieser zu erreichen. Ein toller Aussichtsberg, der den kleinen Abstecher auf alle Fälle lohnt. Wer nicht denselben Weg zurückgehen will, kann wie wir vom Gipfel den Grat Richtung Norden verfolgen und so gen Tal absteigen. Ist eine ziemlich schotterige Angelegenheit, aber in eindrucksvoller Umgebung.

GPS-Koordinaten eigene Messung - Angaben ohne Gewähr (Datum: WGS 84 Positionsformat: Dezimal)


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