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Zustoll
Tour 630 2235m Zustoll, "Alte Südwand" Churfirsten Klettern 7 (6/A1) 24.09.16    

Der Berg könnte auch in den Dolomiten stehen www.sirdar.de

Fakten
Zustieg:Von Norden zur Palisnideri-Scharte, dort weiter auf versicherten Südwand-Band, 1.5h
Route:14SL, 6-7h, saniert, viele Bohrhaken
Fels:Kalk, steil bis überhängend, nicht immer vertrauenswürdig fest
Ausrichtung:Süd
Abstieg:Normalweg nach Norden
Besonderheit:Die Route beinhaltet viele Quergäng, anhaltend schwierig.

Ausgangspunkt:
Almstraße Selamatt (ca. 1550m)

Anfahrt:
Von der Autobahn St. Gallen - Chur bei Buchs Richtung Wildhaus abbiegen. Weiter das Tal hoch. In Unterwasser fährt man links die Mautstraße Richtung Berggasthof Selamatt hoch. Kurz vor dem Berggasthof gibt es die Möglichkeit nach links auf ein höhergelegenes Sträßchen abzubiegen, welches zu den diversen Almen direkt unter der Nordseite der Churfirsten führt. Hier der Ausgangspunkt am Normalweg zum Zustoll oder Brisi.

Stützpunkt:
-

Route:
"Alte Südwand", 7 (6A1), 14SL (F.Bürkle, H.Frommenwiler 16./17.9.1948)

Routenbeschreibung mit Zustieg (Topo) als PDF: topo_zustoll.pdf

Zustoll
Die Churfirsten von Norden.

Zustoll
Der Normalweg auf den Zustoll. Die Palisnideri-Scharte erreicht man vom Zustoll-Normalweg, oder kürzer auch rechts vom Brisi-Normalweg, dann aber weglos.

Zustoll
Das Südwand-Band mit dem Einstieg zur Route.

Charakter:
Die Route wurde in mehrmaligen Aktionen saniert. Es stecken ausreichend Bohrhaken, die schwierigsten Stellen können künstlich geklettert werden. Die Route quert geschickt durch die ansonsten stark überhängende Wand. Dabei ist die Route durchweg anspruchsvoll, steil und ausgesetzt. Der Fels sieht fester aus, als er ist. Bei einem Unfall einer Seilschaft hinter uns löste sich ein richtig großes Stück Fels. Deswegen Vorsicht und die Tour aufgrund der vielen Bohrhaken nicht unterschätzen. Es bleibt eine sehr alpine Angelegenheit!

Karte:
-

Führer:
Christoph Klein, Jürgen Winkler "Im extremen Fels", Panico Alpinverlag, 2015

Link:
-

Openstreetmap: Zustoll
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, SRTM | Kartendarstellung: © OpenTopoMap (CC-BY-SA)

Titel: Zugebissen
Bergspezln: Gerhard

Zustoll Die Churfirsten sehen von Norden ja schon so aus wie der Unterkiefer eines Raubtieres. Ein Haifisch oder so und der Zustoll ist dabei ein spitzer Zahn. An diesem Tag wurde jedenfalls zugebissen.
Es begann harmlos, wir stiegen etwas unvorbereitet zuerst Richtung Brisi hoch, um dann bei Gelegenheit in das Kar zwischen Zustoll und Brisi zu queren, um zur Palisnideri-Scharte hochzusteigen. Hier gibt es jedoch keinen Weg und das Gelände ist tükisch. Karstfelsen, mit dichter Bepflanzung. Es dauerte auch nicht lange und ich stieg in eine perfekt mit Gras getarnte Felsspalte. Da hebelte ich mir beinahe das Knie aus dem Gelenk und jaulte erst mal auf. Aber als Bergsteiger der "schärferen Richtung" ist man zwangsläufig leidensfähig, sonst würde man sich die Strapazen ja gar nicht erst antun. Also mit lädiertem Knie weiter und bloß nicht stehenbleiben. Wird schon gehen.
Der Wechsel der Szenerie könnte an der Palisnideri-Scharte nicht extremer sein, im Norden idylisches Schweizer "Heidi"-Gelände, im Süden steilste Dolomitenwände. Um zum Einstieg der Südwand zu kommen, quert man auf einem exponierten Band zu einem angelehnten Pfeiler unter den Wandfluchten entlang. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was da noch so kommt. Am Band allerdings noch mit Versicherung.
Wir waren die ersten am Einstieg, hinter uns bildete sich bald eine ordentliche Warteschlange. Vom Wetter her waren die Bedingungen auch perfekt für die Zustoll-Südwand. Die ist ziemlich überhängend. Die erste Seillänge ist noch einfach, dann gehts los. Durchweg anspruchsvoll quert man die ganzen Bäuche und Wülste aus. Wo das nicht mehr geht, warten dann die Schlüsselstellen und das zahlreich. Ich musste an diesem Tag oft in den Haken greifen, meine Kletter-Hochform hatte ich nicht, aber das Knie hielt vorerst.
Die alte Südwand wurde wohl in mehreren Wellen saniert, inzwischen ist sie durchgehend gut mit Bohrhaken bestückt. Manche mögen die Nase rümpfen, ich fand die Tour anspruchsvoll genug und war dankbar mir nicht auch noch wegen zweifelhafter Absicherung Gedanken machen zu müssen. Der Fels macht zwar oberflächlich ein soliden Eindruck, ich hatte aber immer das Gefühl, so ganz "eisenfest" ist das Gestein hier nicht.
Wir hatten die ersten schwierigen Stellen hinter uns, da hörten wir von hinten einen Schrei und sahen kurz darauf einen doch recht massiven Felsbrocken im Kar aufschlagen. Mein Gefühl hatte mich also nicht getäuscht. Mehr konnten wir aber nicht sehen, die anderen Seilschaften waren ja im wahrsten Sinne des Wortes unter uns, also unter den diversen Überhängen. Wir gingen weiter. Dauerte aber nicht lange und ein Hubschrauber schwebte herbei. Um es kurz zu machen, die Rettungsaktion dauerte zwei Stunden, schließlich konnte mit Stahlseil der Verletzte ausgeflogen werden. Dabei waren wir schon recht weit oben und der Hubschrauber, obwohl direkt unter uns, verschwand aufgrund der Steilheit regelrecht in der Wand und war nicht mehr zu sehen. Wir wagten uns nicht mehr zu bewegen, wenn wir hier einen Stein lostreten würden, der den Hubschrauber trifft, Horrorvorstellung ...
Und mein Knie, ich verdrehte es mir bei einem Spreizschritt nochmal ordentlich, es war ja vom Zustieg her schon "gelockert". Das wars dann, die letzten Seillängen überwand ich wie ein Anfänger im "Klimmzugmodus", die gute Fußtechnik war erstmal dahin, wobei Gerhard dankeswerterweise für die letzten vier Seillängen komplett den Vorstieg übernahm. Wir brachten die Tour jedoch noch gut über die Runde und am Gipfel erfuhren wir dann auch das Schicksal des Verunfallten unter uns, ein Beinbruch.
Zum Glück ist der Normalweg von Norden auf den Zustoll ein weitgehend gutmütiger Wanderweg und nicht allzu steil. So humpelte ich zu Tal. Fazit, nix gerissen, nur überdehnt, gequetscht und überhaupt. Die Zustoll-Südwand ist also schon eine Hammertour, aber bitte nicht unterschätzen, reines Plaisir-Gelände ist das nicht!

Gerhard hat ein Video von der Tour gemacht:


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