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Bad Tölz - Isar - Mittenwald, www.sirdar.de
Unterwegs in den Alpen
Etappe 2: Bad Tölz - Isar - Mittenwald (28.09.2019)

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Bad Tölz - Mittenwald
www.bernhard-gaul.de/gpxviewer/gpxviewer.php
Startpunkt: Bad Tölz (650m)
Route: Radwege entlang der Isar
Endpunkt: Mittenwald (923m)

Strecke: 60km

Garmin GPX:
2019-09-28 BadToelz-Isar-Mittenwald.gpx

Beginnend von Bad Tölz ist der Isar-Radweg gut ausgeschildert. Zunächst geht es flussaufwärts gesehen auf der rechten Seite durch eine eigentümliche Waldlandschaft, wie man sie eher in Skandinavien erwarten würde. Bei Lenggries wechselt man die Flussseite und man ist zunächst gezwungen, entlang der B13 zu radeln.
Kurz vor dem Staudamm des Sylvensteinsees wurde ein steiler Weg zur Versorgung und für Fahrradfahrer in die Felswand geschlagen, die "Aquila", ein Highlight dieser Etappe. Ebenso wie die nachfolgende Fahrt entlang des Sees. Der "offizielle" Radweg bleibt an der Straße, jedoch kann man nach der Ortschaft Fall bis zur Geschiebesperre am Beginn des Stausees auch direkt am Ufer entlangradeln.
Bei Vorderriß benützt man eine Mautstraße bis Wallgau, diese ist aufgrund von Ausflugsverkehr leider trotzdem stark befahren. Die Isar gibt sich in diesem Bereich sehr ursprünglich. Ab Wallgau ist man nun wirklich mitten im Gebirge und kann es bis Mittenwald entlang der eindrucksvollen Karwendelkette gemütlich angehen lassen. Von Mittenwald gibt es gute Zugverbindungen nach München oder Innsbruck.

Begleitende Touren zu dieser Etappe:
Geierstein (1491m): Recht zackiger Felsgipfel gleich über Lenggries, umfassende Aussicht Richtung Bad Tölz und Alpenvorland
Grasköpfl (1753m), von Norden: Aussichtskanzel zwischen Fall und Vorderriß, mit schönen Blick auf den Isarwinkel

Von Tölz führt der Isar-Radweg am westlichen Ufer weiter flussaufwärts. In den weiten Schotterebenen im Isar-Tal hat sich eine ganz eigene Vegetation gebildet. Der Kiesboden dürfte eher karg sein und die Wälder entlang der Isar muten eher skandinavisch-karg an oder auch wie in den Hochlagen des Bayerischen Waldes. Es macht jedenfalls sehr viel Spaß dort durchzuradeln und ist somit auch eines der Highlights auf dem Weg nach Mittenwald.
Nach 11 Kilometer quert man bei Lenggries die Isarbrücke, dann ist es mit dem Spaß erst mal vorbei. Man radelt nun direkt entlang der vielbefahrenen B13. Das bei dem vielen Verkehr die Alpenbewohner mittlerweile rebellieren, kann man gut nachvollziehen. Für Radfahrer wurde kurz hinter Fleck ein eigener Weg geschaffen, um auf die Dammkrone des Sylvensteinsees zu gelangen. Steil und luftig wurde ein Band in die Felswand geschlagen, am Ende wartet ein Tunnel, bevor man schließlich auf dem Damm steht und den Blick über den Stausee schweifen lassen kann. Für die Talsperre nutzte man eine natürliche Engstelle. Die Isar wurde von markanten Felswänden eingegrenzt, dem Hennenköpfl und der Sylvensteinwand. Vom letzteren hat der Speichersee offensichtlich auch seinen Namen.
Dann steht man auf dem Staudamm, umgeben von vielen Touristengruppen. Auch chinesische Reisegruppen legen hier einen Stopp ein. Nun, man kann es verstehen, der Speichersee ist schon sehr gelungen, wenn man das mal so sagen darf. Aber warum gibt es den überhaupt? Strom? Trinkwasser? Hochwasserschutz?
Weit gefehlt, es ist ein Speicher zur "Niedrigwasseraufbesserung". Ein herrlich deutsches Wort. Als man in den Jahren 1918 - 1924 das Walchensee-Kraftwerk bei Kochel baute, musste bei Krün ein Teil des Isarwassers umgeleitet werden. Das natürliche Einzugsgebiet des Walchensees bezüglich Wassernachschub wäre sonst zu klein gewesen, um das Kraftwerk, welches über Rohre vom Walchensee zum tiefergelegenen Kochelsee arbeitet, vernünftig dauerhaft betreiben zu können. Folge war, dass man bei Wasserknappheit in Bad Tölz sprichtwörtlich auf den Trockenen saß, weil das gesamte Isarwasser über den Walchen- und Kochelsee zur Loisach umgeleitet wurde. Das hatte natürlich vielfältige Folgen, weswegen man beschloss, über einen Speichersee der Isar ständig genügend Wasser zur Verfügung zu stellen. So wurde also der Sylvensteinsee erdacht und gebaut. Nebenbei, durch die Umleitung hatte nun die Loisach zu viel Wasser. Um Wolfratshausen vor Hochwasser zu schützen, musste nun ein weiterer Kanal gebaut werden, der vor der Stadt Wasser von der Loisach wieder zurück zur Isar führt.
Ich radele weiter. Direkt vor der Faller-Klamm-Brücke überholt mich ein Porsche-Geschwader. Lauter Oldtimer, die sind ja vergleichsweise noch recht hübsch anzuschauen, im Gegensatz zu ihren degenrierten Nachkommen, aber dieser Lärm. Motorisiertes Brunftgeschrei stand dazu mal in der Süddeutschen. Na, da sind sie ja hier genau richtig, im Jagdrevier der Wittelsbacher.
Ich radele über die Brücke. Hier war einst die Faller Klamm, eine vor allem bei den Isarflössern einst berüchtigte Engstelle. Davor war die Ortschaft Fall. Klamm und Fall sind nun im See versunken. Wobei die Ortschaft platt gemacht und einfach verlegt wurde. Davon ahnt man heute nicht mehr viel, man geniesst einfach die schöne Aussicht auf den See, eingerahmt von bewaldeten Bergen.
Das "neue" Fall schaue ich mir nicht weiter an und radele gleich weiter. Der offizielle Radweg bleibt auf der Bundesstraße, welche dank Ausflugsverkehr sehr belebt ist. Mir ist das zu langweilig und ich versuche es direkt am Seeufer. Hier lässt es sich gut radeln, ein Schotterweg führt am Ufer entlang und es ist viel ruhiger als oben an der Straße. Auffällig sind die vielen durchnummerierten Ruderboote im See. Ein Freund hat mich aufgeklärt, wer das Glück hat einen Fischereischein für den Sylvensteinsee zu ergattern, darf auch ein Boot zu Wasser bringen. Der "Uferradweg" endet an der Geschiebesperre, wo die Isar in den Speichersee fließt. Die Sperre dient dazu, das viele Gestein aufzuhalten, ansonsten würde sich der See langsam aber unweigerlich im Laufe der Zeit wieder füllen. Ich muss nun zurück auf die Bundesstraße, aber nur kurz bis Vorderriß. Hier rentiert es sich tatsächlich, sich ein wenig die Häuser anzusehen. Ein durchaus geschichtsträchtiger Ort, die Wittelsbacher pflegten hier wie schon erwähnt zur Jagd zu schreiten, oder wie auch immer man das waidmannsgerecht ausdrückt. Der bekannte Schriftstelle Ludwig Thoma war ein Sohn des Oberförsters und verbrachte seine ersten sechs Lebensjahre in Vorderriß.

Kuriosum Eng beschreiben.

Literatur:
Wasserwirtschaftsamt Weilheim, "Der Sylvensteinspeicher", Juli 2009
sehr informative Broschüre, liegt direkt am Damm aus (wenn man Glück hat)


GPS-Koordinaten eigene Messung - Angaben ohne Gewähr (Datum: WGS 84 Positionsformat: Dezimal)


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